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Bild von VELUX Banner
Ein Mann mit schwarzer Weste sitzt auf einem Ziegeldach, im Hintergrund sind Bäume und Häuser zu sehen.

Wie Dachdecker Andreas Mertl KI sinnvoll nutzt

Rainer Sander

7. Oktober 2025

Wenn Andreas Mertl von der Digitalisierung spricht, klingt das alles andere als abgehoben. Der Dachdeckermeister aus Freising in Oberbayern steht mit beiden Beinen auf dem Dach – und gleichzeitig mit einem Fuß in der digitalen Zukunft. „Viele reden über Digitalisierung, weil es modern klingt. Aber die entscheidende Frage ist doch: Verbessert es den Prozess wirklich?“, sagt er im Gespräch. Bei der Mertl-Bedachungen GmbH, einem traditionsbewussten Familienbetrieb und Mitglied beim Dachdecker-Einkauf Süd, lautet die Antwort: „Ja!“ Zwei digitale Werkzeuge haben den Arbeitsalltag dort spürbar verändert: das Automatisierungs-Tool KlickTipp und die KI-Telefonassistentin Petra.

Bild von KI Petra
Bei Mertl Bedachungen ist die KI-Bürokraft Petra bereits im Einsatz.

Tool KlickTipp für Dachsanierungskompass

„Ein normaler Newsletter würde unsere Kunden nerven“, erklärt Andreas Mertl. „Niemand, der sein Dach saniert hat, will jeden Monat über neue Dämmstoffe informiert werden.“ Stattdessen setzt er auf individuelle Kundenreisen mit KlickTipp. Das System arbeitet tagbasiert, also mit Stichwörtern, die hinterlegt werden können: Kunden bekommen nur dann Informationen, wenn es für sie relevant ist. Ein Beispiel ist der vom Betrieb entwickelte Dachsanierungskompass – eine Serie von elf automatisierten E-Mails, die ein Kunde nach einer Anfrage erhält. Darin erklärt Mertl die wichtigsten Schritte einer Sanierung, gibt Tipps und beantwortet häufige Fragen.

Hier erfahren Sie, in welchen Bereichen der Betrieb Over-Dach KI einsetzt!

Gezielter beraten – Aufwand reduzieren

„So reduzieren wir unseren Beratungsaufwand erheblich. Der Kunde ist bestens informiert, bevor wir überhaupt miteinander sprechen.“ Doch damit endet die Reise nicht. Angebote werden über KlickTipp verschickt und auch getrackt. Also deren weiterer Weg nachvollzogen. Wie das geht? Ganz einfach: Öffnet ein Kunde ein halbes Jahr später wiederholt ein Angebot, erscheint er im Radar. „Dann weiß ich, jetzt ist vielleicht der richtige Zeitpunkt, nochmal nachzufassen.“

Bild von Andreas Mertl vor einem Monitor
Andreas Mertl nutzt für den Betrieb auch ein digitales Whiteboard. (Alle Fotos: Mertl)

Bewertungserinnerung automatisiert

Auch Bewertungen holt Andreas Mertl automatisiert ein. „Das System erinnert Kunden nach einem halben Jahr daran, uns zu bewerten – ohne, dass ich oder meine Mitarbeiter daran denken müssen.“ Und wenn ein Sturm über Niederbayern zieht? Dann werden alle Kunden, deren Dach von Mertl saniert wurde, gezielt angeschrieben. „Wir fragen, ob alles in Ordnung ist, und geben Tipps, wie sie bei einem Sturmschaden reagieren können.“

KlickTipp ist für Betriebe sinnvoll

Die Frage, die sich viele Handwerksbetriebe stellen: Lohnt sich das auch für mich? Andreas Mertl ist überzeugt: „Ja, gerade kleine Betriebe können davon profitieren.“ KlickTipp kann, auch wenn es streng genommen kein Kundenmanagementsystem (CRM) ist, wie ein Mini-CRM funktionieren. Kundenkontakte, Erinnerungen, Nachfassaktionen – alles läuft automatisch, was einem Einmannbetrieb den Rücken freihält.

Bild von Mitarbeiter von Andreas Mertl auf dem Dach bei Kranarbeiten
Der Kran und die Mitarbeiter auf dem Dach sind unverzichtbar, aber im Büro können Tools wie KlickTipp im Kundenmanagement Abläufe zeitsparend automatisieren.

Für größere Unternehmen wiederum bieten sich erweiterte Funktionen an: Schnittstellen zu Terminbuchungen, personalisierte Angebotsvideos, sogar automatisierte Geburtstags- oder Weihnachtsgrüße. „Das klingt nach Kleinigkeiten, macht aber in der Kundenbindung einen riesigen Unterschied“, erläutert Andreas Mertl. Alles lässt sich personalisieren. Es wirkt eben persönlicher, wenn der Newsletter Bezug nimmt auf Wohnort, Haustyp oder was auch immer nach Nähe und gutem Service klingt.

Petra: Die Stimme, die keine Pause macht

Noch direkter erlebbar wird Digitalisierung am Telefon. Wo früher der Anrufbeantworter ansprang, wenn alle Büromitarbeiter beschäftigt waren oder Pause machten, übernimmt heute bei Bedarf Petra, eine KI-basierte Telefonassistentin. „Ich war anfangs skeptisch“, erinnert sich Andreas Mertl. „Aber Petra hat inzwischen viele klassische Szenarien im Handwerk gelernt. Sie nimmt Anrufe entgegen, unterscheidet zwischen Neukunden, Bestandskunden und Notfällen und leitet alles sauber weiter.“ Und die Anrufer sind meist zufrieden, weil sie ihr Anliegen hinterlassen können. „Ein Kunde hat mir mal gesagt, er hätte sich veräppelt gefühlt – weil er gar nicht gemerkt hat, dass er mit einer KI spricht.“

Bild von KI Petra
Petra entlastet die Büromitarbeiter, die dadurch weniger durch Telefonate aus ihrer Arbeit gerissen werden.

Die Vorteile sind greifbar:

  • Entlastung im Büro: Mitarbeiter werden nicht mehr alle 20 Minuten aus der Arbeit gerissen.
  • Kundenfreundlichkeit: Petra klingt menschlich, führt Gespräche fließend und filtert unpassende Anfragen heraus.
  • Erreichbarkeit: Auch abends oder am Wochenende können Notfälle erkannt und weitergeleitet werden.
  • Skalierbarkeit: Vom Soloselbstständigen bis zum größeren Betrieb

Petra bietet Nutzen für kleinere und größere Betriebe

  • Kleine Betriebe können ihre Erreichbarkeit sichern, ohne dass der auf der Baustelle mitarbeitende Chef ständig vom klingelnden Handy gestört wird.
  • Größere Betriebe nutzen Petra als vorgeschalteten Filter, damit die richtigen Anfragen beim richtigen Mitarbeiter landen.
  • Und selbst für betriebsübergreifende Netzwerke von Betrieben wäre das Modell denkbar, um Servicehotlines effizient zu bündeln.
Bild von Dachdecker Andreas Mertl mit seinem Mitarbeiter auf dem Dach
Andreas Mertl (vorne): „Unser Ziel ist es, draußen auf dem Dach konzentriert arbeiten zu können.“

Digitalisierung klug und mit Augenmaß

Andreas Mertl ist dabei keineswegs ein KI-Fanatiker, sondern Pragmatiker. „Digitalisierung darf nicht der Digitalisierung wegen passieren. Sie muss das Handwerk erleichtern. Unser Ziel ist es, draußen auf dem Dach konzentriert arbeiten zu können und im Büro nicht unterzugehen.“ Mit KlickTipp und Petra hat er zwei Bausteine gefunden, die genau dabei helfen. Sie zeigen, dass KI und Automatisierung im Dachdeckerhandwerk keine Science-Fiction sind, sondern längst praxistauglich – vorausgesetzt, man setzt sie klug und mit Augenmaß ein.

Rainer Sander

Der „gelernte“ Pädagoge und Betriebswirt des Handwerks war 1986 erster Öffentlichkeitsreferent einer nordhessischen Kreishandwerkerschaft. Danach 15 Jahre Sozialmanagement und seit 2005 selbständiger Coach und Berater. Die ganze Zeit über arbeitete er zudem als freier Journalist für nordhessischen Print- und Online-Medien.

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