Hanebutt Gruppe: Ziele und Visionen als Leitsterne
22. April 2025
Für Henning Hanebutt war schon früh klar, wohin die Reise geht. „Mit fünf Jahren wollte ich Dachdecker werden, mit 12 Jahren habe ich als Ziel die Meisterschule anvisiert.“ Er erzählt das nicht, um andere zu beeindrucken. Nein, es geht Henning Hanebutt, der gemeinsam mit seinem Sohn Heiner mit der Hanebutt Gruppe, Mitglied der Dachdecker-Einkauf Ost eG, einen der bundesweit größten Dachdeckerbetriebe führt, um etwas Grundsätzliches.
Ziel- und Lebensplanung für jeden Chef wichtig
„Es ist für jeden Betriebsinhaber, egal wie viele Mitarbeiter er hat, wichtig und hilfreich, eine Ziel- und Lebensplanung zu entwickeln. Sich der Frage zu stellen, wo die Reise hingehen, wie der Betrieb etwa bis 2030 aufgestellt sein soll.“ Henning Hanebutt hat sich diese Frage immer wieder gestellt, allein, mit seinem Sohn und auch mit seinem Führungsteam an Bauleitern und Vorarbeitern – persönlich und beruflich. Woher dieser Impuls kommt, vermag er nicht zu sagen, aber er beschreibt, wie wichtig Ziele und das Hinterfragen des eigenen Tuns für den Erfolg der Hanebutt Gruppe sind. „Als ich mit 24 Jahren das Ziel Meisterschule erreicht hatte und in den Familienbetrieb meines Vaters mit damals rund 40 Mitarbeitern zurückkehrte, bin ich in ein Loch gefallen. Doch mit neuen Zielen und einer Vision ging es nach einer ersten Führungskräftetagung weiter. „Wir wollten Norddeutschlands bester und größter Dachdeckerbetrieb werden. Das war quasi mein Nordstern auf dem Weg der Umsetzung in konkreten Schritten und Jahreszielen.“

Das eigene Tun immer wieder hinterfragen
So eine Leitidee braucht jeder Betrieb, der erfolgreich sein und seine Mitarbeiter begeistern will, davon ist Henning Hanebutt überzeugt. Wie dieser Nordstern jeweils ausschaut, ist natürlich individuell und es muss keineswegs um Größe und Wachstum gehen. „Aber wenn er fehlt, gibt es keine gemeinsame Ausrichtung für alle und jeder macht sein Ding.“ Hanebutt hat dabei immer externe Berater und Coaches einbezogen in die Zielentwicklung. „Ich war da offen und es ist wichtig, weil der Coach einem den Spiegel vorhält.“ Was wiederum entscheidend sei für eine echte, nachhaltige Weiterentwicklung.

Einfach einmal ausprobieren
Und im Rahmen von Zielen und Visionen hat der Betrieb immer wieder Neues erprobt. „Gucken, was geht, und einfach mal machen“, benennt es Henning Hanebutt. Das habe schon sein Vater so gehalten und bereits1984 die EDV eingeführt für die Erstellung von Angeboten am Rechner. Es geht darum, Vorhandenes über neue Prozesse zu entwickeln. „Wir wollen das Alte bewahren und zugleich innovative Techniken nutzen.“ Bereits vor zehn Jahren führte Hanebutt iPads für die Vorarbeiter auf der Baustelle ein, entwickelte zudem eine eigene App dafür.

Ein weiteres Bespiel: „Wir haben irgendwann den ersten 7,5-Tonner gekauft und auf den Hof gestellt. Da haben viele im Team gesagt, dass wir den nicht brauchen. Doch dann haben wir angefangen, mit diesem Lkw Baustellen zu bestücken oder ihn für den Abtransport von Abrissen zu nutzen“, berichtet Henning Hanebutt. Er probiert mit seinem Team vieles aus und nicht alles klappt. „Es passieren Fehler und wir scheitern auch, das gehört dazu. 2006 wollten wir das papierlose Büro einführen, was so nicht umsetzbar war.“
Niederlassung in Großbritannien als Testballon
Hanebutt testete auch eine Ausweitung ins Ausland, mit Projekten in Spanien und Norwegen sowie einer eigenen Niederlassung in Großbritannien von 2004 bis 2009. „Wir wollten einmal schauen, wie der Markt dort funktioniert.“ Dann folgte die Weltwirtschaftskrise 2008 und die Baupreise gingen in den Keller, auf einmal ließ sich dort kein Geld mehr verdienen. Erfahrung gemacht, abgehakt und weiter geht es.

„Wollen unserem Handwerk eine Zukunft geben“
Die nächste große Zielbestimmung folgte 2020 mitten während der Coronapandemie mit 25 Führungskräften über Zoom. „Wir wollten alle mitnehmen und mit ihnen gemeinsam eine neue Vision entwickeln, denn wir waren ja inzwischen Norddeutschlands größter Dachdeckerbetrieb“, erklärt Henning Hanebutt. Herausgekommen ist folgender Leitstern, hinter dem sich das Führungsteam gerne versammelt: „Wir wollen unserem Handwerk eine Zukunft geben.“ Eine Vision, die Freiraum lässt für neue Wege und Innovationen. So gründeten Henning und Heiner Hanebutt ein Institut für Weiterbildung, in dem sie ihr Know-how an Dachdeckerkollegen weitergeben wollen in Sachen Unternehmensführung.

Aufbau eines bundesweiten Netzwerkes
Die Hanebutt Gruppe will bundesweit ein Netzwerk aufbauen. „Wir wollen jeden Kunden innerhalb von zwei Stunden erreichen können.“ So kam als letztes mitten in der Republik eine neue Niederlassung hinzu – in Köln. Mittlerweile arbeiten dort 18 Mitarbeiter. Marketing und Buchhaltung werden zentral vom Hauptsitz in Neustadt am Rübenberge abgewickelt. Die in vierter Generation geführte Gruppe zählt mehr als 600 Mitarbeiter, verteilt auf 15 Unternehmen und neun Gewerke an elf Standorten. Was für eine Entwicklung seit Mitte der 90er Jahre. Die Teams arbeiten in den Bereichen Dach– und Zimmererarbeiten, Fassade, Bauklempnerei, Solar, Photovoltaik, Bauwerksabdichtung, Sanierung im Denkmalschutz und Baudokumentation.
„Müssen uns auf die heutige Jugend einstellen“
Doch noch einmal, es geht nicht um Größe, sondern die Bereitschaft, sich als Betrieb immer neu infrage zu stellen, zu erfinden und Antworten zu finden für die Herausforderungen der Branche. Und das betrifft jeden Betrieb, schaut man etwa auf das Thema Fachkräfte. „Wir müssen uns auf die heutige Jugend einstellen, ihre Haltung und Werte verstehen“, sagt Henning Hanebutt. Ein Satz, der zeigt, wie ehrlich und ernsthaft er das Thema Nachwuchsgewinnung angeht. Von ihm sind nicht die üblichen Klagen über die Generation Z zu hören.

Vorarbeiter-Workshop mit Atemtraining und Eisbaden
Er schaut vielmehr darauf, was sein Betrieb tun kann und geht auch hier ungewöhnliche Wege. Mit allen Vorarbeitern reisten die beiden Chefs nach Finnland zu einem fünftägigen Workshop für Persönlichkeitsentwicklung. „Ich kann predigen, wie ich will, die Vorarbeiter sind mit den Azubis jeden Tag acht Stunden auf dem Dach.“ Diese Praktiker durch und durch sollen jetzt, wie bislang noch nie, ihre eigene Rolle, ihr Verhalten reflektieren, als Vorarbeiter, Ausbilder, auch privat in der Familie, etwa als Vater. Es gab Atemtraining oder Eisbaden direkt im vier Grad kalten See. „Wenn da einer schon 58 Jahre alt ist, seit Jahrzehnten arbeitet, wie lässt der sich auf so einen Prozess ein, auch darauf, sich mit jungen Azubis und ihren Werten wirklich auseinanderzusetzen? Am Ende waren alle happy, dabei gewesen zu sein“, berichtet Henning Hanebutt.

100 Azubis sind das Ziel
Klar können sie bei Hanebutt inzwischen dieses größere Rad drehen, aber im Kleinen kann jeder Betriebsinhaber schauen, was er und sein Team tun können, um heutigen Jugendlichen offen und einladend zu begegnen. Bei Hanebutt zahlt sich das jahrzehntelange Engagement im Bereich Nachwuchsgewinnung aus. „Wir haben für diesen Sommer schon 175 Bewerbungen“, erklärt Marketingleiterin Nina Wilhelms. Auch bei den Azubizahlen gibt es ein Ziel. „100 sollen es werden, aktuell liegen wir bei 75 Auszubildenden.“

Einführungswoche für neue Azubis am Hauptsitz Neustadt
Die neuen Lehrlinge aller Standorte verbringen ihre erste Woche gemeinsam am Hauptsitz in Neustadt, um den Betrieb, die Abläufe, die Werte und sich gegenseitig kennenzulernen. Mit dabei sind Heiner und Henning Hanebutt. „Da sehen unsere Neuen gleich, dass die Chefs nahbar und ansprechbar sind.“ Gemeinsam geht es etwa in einen Klettergarten, es gibt eine Einführung in Material und Werkzeuge. In Neustadt und anderen Niederlassungen findet sich auch ein eigener Lernraum für die Lehrlinge, wo sie etwa an Dachmodellen praktisch und unter Anleitung zusätzliche Erfahrungen sammeln können.

Lehrer erleben Praktikumstag im Betrieb
Intensiven Kontakt unterhält Hanebutt auch zu den Schulen in der Region. So werden etwa mit großem Erfolg Lehrer für einen Praktikumstag in den Betrieb eingeladen, um dort mehr über die Vielfalt der Arbeit als Dachdecker, Zimmerer oder Klempner zu erfahren. „Sie können auch mit Schiefer zimmern oder aus PVC-Materialen Portemonnaies schweißen“, berichtet Wilhelms.
Nachhilfeprojekt: kostenlos für lernschwache Schüler
Und über das Projekt Tragwerk bietet Hanebutt kostenlose Nachhilfe an für Schüler aus der Haupt- oder Realschule mit Lernschwächen. „Wir beschäftigen im Team eine Lehrerin, die am Nachmittag den Jugendlichen zusätzlichen Unterricht gibt. Die Lehrer wissen das und können auf uns zukommen, wenn sie einen Kandidaten haben, der Unterstützung benötigt.“ Für Henning Hanebutt ist es eine Selbstverständlichkeit, als Unternehmer vor Ort etwas zurückzugeben. Er tut das auch in weiteren sozialen Projekten, ohne viel Aufhebens darum zu machen.

„Was können wir besser machen für unsere Mitarbeiter?“
„Wie können wir sozial helfen, ist eine Frage, die andere zentrale lautet: Wie können wir unsere Mitarbeiter motivieren, was können wir besser machen?“ Henning Hanebutt geht dabei sehr akribisch vor und nennt ein Beispiel aus der Hotelbranche. „Da gibt es ein Unternehmen, dort schauen sie darauf, dass ihre Reinigungskräfte so die Räume saugen, dass sie dabei auch ihre Muskulatur trainieren.“ So etwas beeindruckt ihn. Hanebutt will motivierte Mitarbeiter und dafür tut er so viel wie möglich.

Eigener Food Court am Firmensitz
Das ist schon auf einem Rundgang am Hauptsitz zu sehen, wo man auf dem Außengelände plötzlich vor einem Food Court steht. Einladend mit Holzmöbeln eingerichtete Container bilden hier einen weiten Kreis. In einem davon werden Brötchen und ein komplettes, frisches Mittagessen ausgegeben und in der Mitte stehen draußen zusätzlich Tische und Sitzbänke.
Sie wollen noch mehr über die Hanebutt Gruppe und ihre Projekte erfahren? Dann lesen Sie unsere Story über die Dachsanierung einer Stadtvilla an der Alster in Hamburg.