Sommerhitze: Dachdecker rücken in den Medienfokus
7. August 2025
Spätestens wenn die erste Sommerhitze die Republik erreicht, rücken wieder die Dachdecker in den Fokus der Medien – bundesweit in Tageszeitungen, Radio oder TV. Gefühlt hat es in diesem Jahr sogar noch einmal zugenommen mit der Berichterstattung. Neben der Aufmerksamkeit für das Gewerk Dachdecker führt es aber auch vor Augen, wie wichtig das Thema Gesundheit bei Sommerhitze geworden ist.

Wasserballons und Spritzpistolen
Den Anfang in unserer kleinen, ausgewählten Presseschau zur Sommerhitze soll Bild online machen, denn deren Videos haben online eine große Reichweite. Vor der Kamera erschien dort Dachdeckermeister Jonas Dämgen mit seinem Mainzer Team von DHD Dach- und Holzbauwerke Dämgen GmbH. Die Schlagzeile lautete: „Feierabend! Chef überrascht Mitarbeiter mit Hitzefrei.“ Erzählt als eher lustige Story, denn Jonas Dämgen hat Wasserballons, Spritzpistolen und Wassereis vorbereitet und mitgebracht auf die Baustelle.

Hitzefrei als Arbeitsschutz für das Team
Doch warum gibt er einen halben Tag hitzefrei? „Wir wollen alle gemeinschaftlich für unser Handwerk einen adäquaten Arbeitsplatz bieten, um in Zukunft auch neue potenzielle Bewerber zu bekommen, und vor allem auch zum Arbeitsschutz der Kollegen auf dem Dach“, erläutert er gegenüber Bild online. Jonas Dämgen geht es um das Wohlbefinden seiner Mitarbeiter, dazu gehört die Gesundheit ebenso wie die Aus- und Weiterbildung. So hat er sich etwa am Projekt Azubi-Tausch mit zwei befreundeten Betrieben in Köln und Bielefeld beteiligt.
Sommer-Ausfallgeld soll Betriebe entlasten
Was es neben dem Hitzefrei durch den Chef ohne Lohneinbußen inzwischen ganz offiziell gibt, ist das sogenannte Sommer-Ausfallgeld. Es wird aus den Mitteln der Sozialkasse Soka-Dach ausgezahlt für maximal 53 Stunden im Jahr pro Mitarbeiter. Die Höhe liegt bei 75 Prozent des Stundenlohns, um die entstandenen Lohneinbußen durch die ausgefallenen Arbeitsstunden zu mindern. Darauf hatten sich der Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH) und die Industriegewerkschaft IG Bau 2020 verständigt. Mit der Einführung demonstrieren die beiden Tarifparteien Solidarität zwischen Arbeitgebern und Beschäftigten, damit letztere nicht zu Leidtragenden des Klimawandels mit mehr Sommerhitze werden.

Pausen im Schatten und viel trinken
Der Deutschlandfunk interviewte die Dachdeckerin Lorelay Wegner, die im zweiten Lehrjahr ihre Ausbildung im Familienbetrieb macht. Das dortige Team fängt in der Sommerhitze früher an mit der Arbeit und beendet diese schon mittags, wenn es zu heiß wird. Der Gesundheitsschutz sei im Betrieb wichtiger als der Druck, Kundenaufträge schnell fertigzustellen, erläutert Wegner auf Nachfrage. Und wie sieht bei ihr auf der Baustelle der konkrete Hitzeschutz aus? „Wir machen regelmäßige Pausen im Schatten, trinken viel, arbeiten eingecremt und mit Kopfbedeckung.“

Tipps und Prämien der BG Bau
Die BG Bau bietet Checklisten für die Arbeit in der Sommerhitze sowie Arbeitsschutzprämien für Kopfbedeckungen, Funktionsshirts oder Kühlwesten. Zudem weisen die dortigen Experten darauf hin, dass der Körper durch einen allmählichen Prozess, der Akklimatisierung trainiert werden kann, Hitzebelastung besser zu tolerieren. Dafür sei es laut BG Bau notwendig, ihn allmählich an die Arbeit unter Hitzebedingungen zu gewöhnen, indem die Arbeitszeit und die Arbeitsschwere schrittweise über 7 bis 14 Tage bis auf das volle Pensum erhöht werden.
Zusätzliche Pausen helfen laut BG Bau, den negativen Einfluss der Hitze auf die Produktivität zu verringern. Warum? Weil bei heißem Wetter automatisch die Arbeitsintensität sinkt und mehr ungeplante Pausen gemacht werden müssen. Besonders wirksam ließen sich Hitzeunfälle vermeiden, indem die Beschäftigten über Arbeitstempo und Pausen selbst bestimmen. Dafür müssten laut BG Bau in den Betrieben die Rahmenbedingungen geschaffen werden.

Containerdusche auf der Baustelle
Beim Radio SWR aktuell will Reporter Johannes Zinßmeister sehen, wie hart der Dachdecker-Job in der Sommerhitze sein kann. Hoch oben auf einem großen Flachdach in Kaiserslautern trifft er die beiden Dachdecker Rolf Heiss und Evald Lengvinas von der Dachdeckerei Voegeli. Der Job: Das Flachdach abdichten. „Aus dem Föhn kommt Luft, die 470 Grad heiß ist. Da brennen einem ordentlich die Finger“, erklärt Evald Lengvinas dem Reporter. Immerhin: Die Dachdecker haben hier an ihrer Baustelle tatsächlich eine Containerdusche. Da gehen sie am Tag zwei, drei Mal drunter, um sich abzukühlen. „Das ist super, dass wir die hier haben“, freut sich Rolf Heiss.
An diesem Hitzetag ruft ihr Chef Udo Heyl an – es gibt für seine Mitarbeiter ab 12 Uhr Hitzefrei. „Musik in unseren Ohren. Denn auch ich fühle mich mittlerweile wie ein Grillhähnchen – und das, obwohl ich nicht einmal mit angepackt habe“, bilanziert Reporter Zinßmeister seine Erfahrungen auf dem Flachdach.
Sie interessieren sich für das Thema Hitzeschutz auf dem Dach? Dann lesen Sie unsere Story über den Betrieb Hans-Dieter Büschkes GmbH & Co. KG, in dem die Mitarbeiter im Sommer mit praktisch hilfreichen Kühlwesten arbeiten.
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