Acht Personen in schwarzen Jacken und Arbeitshosen stehen und posieren auf einem großen Dach mit historischen Backsteinbauten und Gerüsten im Hintergrund. Bei der Gruppe scheint es sich um Bauarbeiter oder Dachdecker zu handeln.

Dach-Baustellen

Zwei Oberlichtfenster mit geschlossenen Außenjalousien sind auf einem dunklen, mit Ziegeln gedeckten Schrägdach installiert, und im Hintergrund sind grüne Bäume zu sehen.

Produkte

Zwei Arbeiter in grünen Hemden und Handschuhen verlegen unter strahlend blauem Himmel orangefarbene Dachziegel auf einem Schrägdach, wobei einer dem anderen einen Ziegel reicht. In der Nähe sind Stapel von Ziegeln zu sehen.

Dachdeckerbetrieb

Ein Arbeiter mit rotem Schutzhelm und Klettergurt kniet auf einem Dach, hält ein Telefon in der Hand und überprüft die an einem Kabel befestigte Sicherheitsausrüstung.

Arbeitssicherheit

Eine lächelnde Person in einem weißen Hemd und grauen Handschuhen verlegt Dachziegel auf einem schrägen Dach, wobei im Hintergrund Sicherheitsnetze und Gebäude zu sehen sind.

Dachdecker werden

Zwei Männer stehen in einem Lagerhaus und schauen gemeinsam auf eine Tafel. Ein Mann trägt ein rotes Hemd und hält ein aufgerolltes Papier, der andere trägt ein schwarzes Hemd. Im Hintergrund sind große Regale mit Säcken oder Behältern zu sehen.

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Zwei Personen arbeiten in einer Werkstatt mit Holzbänken und Werkzeugen, tragen Gehörschutz und konzentrieren sich auf Holzarbeiten.

Dachdecker-Ausbildung in Waldkirchen: eine Aufstiegsgeschichte

Harald Friedrich

10. Januar 2023

Gerade nach dem Zweiten Weltkrieg galt der Bayerische Wald als Armenhaus Deutschlands. Zum Greifen nah am „Eisernen Vorhang“ gelegen, war damit auch der heutige Landkreis Freyung-Grafenau mit der Stadt Waldkirchen ein Notstandsgebiet, in dem sich allenfalls deutsche Füchse und tschechische Hasen gute Nacht sagten.

Überbetriebliche Ausbildung seit 1974 in Waldkirchen

Entsprechend wurde diese Region bereits seit den 1960er Jahren gefördert. So entstand hier 1964 eine Berufsschule, die durch eine Landkreisreform 1972 der Landkreisberufsschule Freyung-Grafenau angegliedert wurde. Der Durchbruch folgte nur zwei Jahre später mit der Entscheidung, Waldkirchen zum Ausbildungszentrum des Bayerischen Dachdeckerhandwerks für die überbetriebliche Unterweisung zu machen. Seitdem werden hier im einstigen Notstandsgebiet, das heute übrigens zu einer der stärksten Wirtschaftsregionen Deutschlands zählt, alle angehenden Dachdecker Bayerns zentral ausgebildet.

Bild von Azubis an Dachmodellen in Waldkirchen
Seit 1974 ist Waldkirchen das Ausbildungszentrum des Bayerischen Dachdeckerhandwerks. (Alle Fotos und Titelbild: KPZ Waldkirchen/Harald Friedrich)

Ausbildungsleiter zum Anfassen

Treibende Kraft und der Mann, der auch Unmögliches möglich machte, war bis März 2022 Diplom-Ingenieur (FH) Wolfgang Werner als Ausbildungsleiter des Bayerischen Dachdeckerhandwerks. Im „fließenden Übergang“ bis zu seinem wohlverdienten Ruhestand folgte ihm Jürgen Lehner. Über viele Jahre war der Dachdecker- und Zimmerermeister als Jugendbeauftragter im gesamten Freistaat mit seinem „Jugendmobil“ und außergewöhnlichen Aktionen auf Nachwuchs-Werbetour unterwegs. Lehner ist ein Ausbildungsleiter zum Anfassen, der auch mal kurz beim Mittagessen ansprechbar ist.

Bild von Waldkirchener Ausbildungsleiter Lehner
Ein Ausbildungsleiter zum Anfassen: Dachdecker- und Zimmerermeister Jürgen Lehner.

Highlight Waldkirchener Meistertage

Neben der Ausbildung kann auch die Weiterbildung zum Meistertitel in dieser Dachdeckerschmiede absolviert werden. Diese Chance, zum Meister des Dachdeckerhandwerks zu werden, nehmen pro Jahr mehr als 20 Teilnehmer wahr. Die Meistervorbereitungslehrgänge in Zusammenarbeit mit der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz sind über lange Zeiträume im Voraus ausgebucht. Viele der ehemaligen Meisterschüler sind heute in dem Verein Dachdeckermeisterschüler Waldkirchen engagiert. Zu den Highlights in der Branche gehören die mittlerweile in 42. Auflage stattfindenden Waldkirchener Meistertage – einem gelungenen Mix aus Fachtagung und gesellschaftlichem Event.

Eigene Holzbauhalle bereits 1998

Meilensteine sind in Waldkirchen nicht nur aus Schiefer – dem Urgestein des Dachdeckerhandwerks. Nachdem 1998 im Zuge der Novellierung der Handwerksordnung auch Teile des Holzbaus von Dachdeckern ausgeführt werden durften, entstand hier die Holzbauhalle. Als erste Landesfachschule integrierten die Ausbilder den Dachstuhlbau in Theorie und Praxis in den Meistervorbereitungskurs in Waldkirchen.

Bild von Azubis in Schule in Waldkirchen
Dachstuhlbau in Theorie und Praxis gehört zum Ausbildungsplan.

Pionier in Sachen Zertifizierung

2004 die nächste Pionierleistung: Als erstes Ausbildungszentrum des Dachdeckerhandwerks und eines der ersten des gesamten Handwerks in Deutschland überhaupt wurde das Kompetenzzentrum Dachtechnik Waldkirchen e. V. nach DIN EN ISO 9001 zertifiziert. Träger ist ein gemeinnützig anerkannter Verein, zu dessen Mitgliedern die Obermeister der elf bayerischen Innungen und der Landesinnungsmeister A. Ewald Kreuzer gehören.

Bild von Azubis in Schule in Waldkirchen
Auch Schiefer steht natürlich auf dem Lehrplan für die Azubis.

Weitere Seminarangebote in Waldkirchen

•          Weiterbildung zu neuen und geänderten Fachregeln und Techniken

•          Schulung zu Themen wie Dachstuhlbau, Dachgauben, Solartechnik, Dachbegrünung

•          Intensivkurse für Auszubildende als Vorbereitung auf die Gesellenprüfung

•          Schulungen für Berufsanfänger und Quereinsteiger

•          Fachtechnische Schulungen für Fachverkäufer aus dem Baustoffhandel

•          Durchführung von herstellerspezifischen und produktspezifischen Seminaren

Großprojekt: Neubau Dachdeckerwohnheim

Um den Auszubildenden auch außerhalb der Unterrichtszeiten einen angenehmen Aufenthalt im Bayerischen Wald bieten zu können, nahmen Bayerns Dachdecker im März 2017 ein neues Großprojekt in die Hände: den Bau eines eigenen Dachdeckerwohnheims. Es wurde planungsgemäß auf den Tag und fast auf den Euro genau nach 18-monatiger Bauzeit auf einem Hanggrundstück oberhalb des Berufsschulzentrums am 6. September 2018 fertiggestellt. 24 Doppelzimmer auf vier Etagen sind das Zuhause für die Auszubildenden während der Blockbeschulungen. Hinzu kommen ein Fitnessraum, Sporträume, ein Fernsehraum, eine Teeküche für ein attraktives Freizeitangebot sowie eine Vollverpflegung mit abwechslungsreichen Mahlzeiten – vom Frühstück über ein 3-Gänge-Mittagsmenü bis zur Brotzeit. Auch kostenloses WLAN ist Standard.

Bild von Azubis in Schule in Waldkirchen
Arbeiten am klassischen Steildachmodell mit Biberschwanzziegeln.

Umfassende Sanierung bei laufendem Betrieb

Und immer wenn man denkt, es ist alles fertig, kommt es genau anders als man denkt. Wegen der umfassenden Sanierung und Erweiterung des Berufsschulzentrums musste die überbetriebliche Dachdeckerausbildung mit ihren Steildach-, Flachdach- und Metallwerkstätten im Frühjahr 2019 für zwei Jahre im laufenden Betrieb in leerstehende gewerbliche Hallen in Waldkirchen umziehen. Inzwischen ist der Rückumzug in die neuen Ausbildungswerkstätten ohne Unterbrechung des Unterrichtsbetriebs erfolgt.

Bild von Azubis in Schule in Waldkirchen
Ein Blick in die Klempnerwerkstatt.

Wie sagte doch Bayerns Ministerpräsident Dr. Markus Söder anerkennend anlässlich des Jahresempfangs der zuständigen Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz sowie der Industrie- und Handelskammer Regensburg 2018: „Ostbayern hat sich unglaublich entwickelt. Vom Armenhaus zum Raum mit besonderer Hochleistung. Meinen Respekt.“

Sie interessieren sich für das Thema Ausbildungszentren? Dann lesen Sie unsere Story über das Berufskolleg Geldern, wo Dachdeckernachwuchs aus Nordrhein geschult wird.

Harald Friedrich

In den 80er Jahren kam der ausgebildete Werbekaufmann und Texter zum Journalismus. Seit dieser Zeit unterstützt er zahlreiche Dachdecker-Landesverbände bei ihrer Öffentlichkeitsarbeit durch Vor-, Nach- und Querdenken. So hob er das Verbandsmagazin des Bayerischen Dachdeckerhandwerks mit aus der Taufe und erstellt bis heute fünf Ausgaben pro Jahr komplett. Er schreibt zudem für Fachmedien im Bereich Handwerk, darunter seit Jahren auch „Das DACH“. Sein Motto: „Schreiben ist nichts weiter als eine permanente Neuordnung von 26 Buchstaben."

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