Acht Personen in schwarzen Jacken und Arbeitshosen stehen und posieren auf einem großen Dach mit historischen Backsteinbauten und Gerüsten im Hintergrund. Bei der Gruppe scheint es sich um Bauarbeiter oder Dachdecker zu handeln.

Dach-Baustellen

Zwei Oberlichtfenster mit geschlossenen Außenjalousien sind auf einem dunklen, mit Ziegeln gedeckten Schrägdach installiert, und im Hintergrund sind grüne Bäume zu sehen.

Produkte

Zwei Arbeiter in grünen Hemden und Handschuhen verlegen unter strahlend blauem Himmel orangefarbene Dachziegel auf einem Schrägdach, wobei einer dem anderen einen Ziegel reicht. In der Nähe sind Stapel von Ziegeln zu sehen.

Dachdeckerbetrieb

Ein Arbeiter mit rotem Schutzhelm und Klettergurt kniet auf einem Dach, hält ein Telefon in der Hand und überprüft die an einem Kabel befestigte Sicherheitsausrüstung.

Arbeitssicherheit

Eine lächelnde Person in einem weißen Hemd und grauen Handschuhen verlegt Dachziegel auf einem schrägen Dach, wobei im Hintergrund Sicherheitsnetze und Gebäude zu sehen sind.

Dachdecker werden

Zwei Männer stehen in einem Lagerhaus und schauen gemeinsam auf eine Tafel. Ein Mann trägt ein rotes Hemd und hält ein aufgerolltes Papier, der andere trägt ein schwarzes Hemd. Im Hintergrund sind große Regale mit Säcken oder Behältern zu sehen.

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Ein Mann mit Brille sitzt entspannt auf einem hölzernen Podest und lächelt, während seine Schuhe im Vordergrund zu sehen sind.

Ulrich Birkemeyer: mit Holzrahmenbau zum Erfolg

Gerald Weßel

5. Januar 2023

Die Zimmerei Ulrich Birkemeyer in Preußisch Oldendorf steht für Holzrahmenhäuser nach bester Handwerkstradition. Von Planung über Entwurf und Vorfertigung bis hin zum Aufbau des schlüsselfertigen Hauses vor Ort: Der Betrieb bietet ein Komplettpaket für seine Kundschaft.

Zurecht stolz steht Zimmerermeister Ulrich Birkemeyer vor einem seiner jüngsten Werke: einem Holzrahmenhaus. „Normalerweise übergeben wir unsere Häuser schlüsselfertig, aber dieser Kunde ist selbst Handwerker und macht den Rest alleine“, schildert er beim Baustellenbesuch.

Ein Backsteingebäude mit zwei Fenstern, davor befindet sich eine Baustelle mit ausgehobenem Erdreich und einer orangefarbenen Rohrleitung.
Ulrich Birkemeyer steht an einem erst kürzlich an den Kunden übergebenen Holzrahmenhaus mit Klinkerfassade. Jedoch nicht schlüsselfertig wie sonst, denn der Besitzer ist ein Handwerkskollege, der selbst noch Hand anlegen will.

Vier bis fünf dieser Holzbauten in unterschiedlichen Formen und Größen entwirft, plant und stellt die mehr als 25 Jahre alte Zimmerei aus dem nördlichen Nordrhein-Westfalen pro Jahr her. Der Mitgliedsbetrieb der Dachdecker-Einkauf Nordwest eG (DENW) erwirtschaftet hierdurch meist etwa 75 Prozent seines Jahresumsatzes. Der Rest entfällt auf die energetische Sanierung im Bestand.

Der Einkauf bei der Genossenschaft ist dabei ein Pfeiler des Erfolges: „Matthias Aumann, Teamleiter Vertrieb, und ich kennen uns noch aus Zeiten, bevor er bei der DENW tätig wurde“, erinnert sich der 55-jährige Handwerksmeister, der auf mehr als 35 Jahre Berufserfahrung zurückblicken kann.

Eine Holzwand mit zwei Fensteröffnungen steht in einer Werkstatt oder Produktionshalle auf einem Holzboden.
Inmitten der Fertigungshalle entsteht ein Versatzstück eines Holzrahmenhauses. Die Wandfläche mit vorbereiteten Auslassungen für die Fenster ist klar erkennbar.

Vielfalt ist Programm

Die Stile der Holzhäuser sind ganz unterschiedlich: elegante, kleine Stadtvilla, ein Haus im Bungalowstil, klassische Einfamilienhäuser nach Friesenart oder individuelle Wohnkonzepte – alles ist möglich. Die Kosten betragen etwa 3500 Euro pro Quadratmeter. „Wir arbeiten eng mit unseren Kunden zusammen und erfüllen alle erdenklichen Wünsche“, erklärt der Zimmerermeister.

Hierbei kooperiere er zwar auch oft mit Architekten, doch ebenso häufig komme es vor, dass er als Partner der Bauherren selbst Hand beziehungsweise Maus am CAD-Programm anlegt. In so einem Fall plant er das Haus über alle Etagen hinweg – inklusive Raumkonzepten, Innenausbau und der Anschlussgebäude, wie Garagen oder Carports. Jedes Holzrahmenhaus nimmt dann in direkter Nähe des Mittellandkanals Gestalt an: in der Werkhalle im Industriegebiet Getmold in der Stadt Preußisch Oldendorf.

Ein Mann fährt einen Gabelstapler in einer Lagerhalle.
Abseits vom klassischen Zimmererwerkzeug erfordern die teils meterlangen Holzstücke auch Arbeitsfahrzeuge wie diesen Gabelstapler.

4800 Quadratmeter Betriebsfläche

2010, gut 15 Jahre nach der eigentlichen Gründung, bezog die Zimmerei Ulrich Birkemeyer den heutigen Standort kurz hinter der Grenze zu Niedersachsen. Von den 4 800 Quadratmetern Betriebsfläche sind 1000 Quadratmeter überdacht. In einem Teil des Gebäudes, das er von einer Sägerei übernommen hat, zog er Wände, um Büro- und Aufenthaltsräume für sich und seine MitarbeiterInnen zu schaffen. Im Betrieb arbeiten heute drei Auszubildende, zehn Gesellen und drei 520 Euro-Kräfte. Auf dem Dach ließ er PV-Anlagen installieren, mit denen er seine Firma versorgen und sogar noch Strom ins Netz einspeisen kann.

Der Betriebsstandort ist voll und ganz auf die Abläufe einer modernen Zimmerei abgestimmt. Im Alltag geht es pragmatisch und effizient zu. In den Regalen außen und innen liegt das Holz säuberlich aufgestapelt. An einem 4 x 12 Meter großen Abbundtisch werden die Holzrahmenwände vorfertigt, die Kernkompetenz des Betriebes. Zudem bietet der voluminöse Bau noch Raum für die sachgerechte Lagerung verschiedener Materialien und für die Firmenfahrzeuge.

Eine Person arbeitet in einer Holzwerkstatt an einer Säge, umgeben von Holzplatten und Maschinen, mit Gehörschutz ausgestattet.
Ein Mitarbeiter aus Birkemeyers Team beim Zuschnitt an der Kappsäge.

Aus Rohholz wird ein Holzrahmenhaus

Das Team bereitet die länglichen Rohhölzer an der Großsäge vor und fertigt daraus die Tafeln und Pfeiler der Rahmenkonstruktion des neuen Hauses. Nach und nach wachsen so die einzelnen Versatzstücke zu den erkennbaren Grundzügen eines baldigen Eigenheims zusammen. Tage später wird per Tieflader alles zur Baustelle gefahren und dort zusammengebaut. Hinzu kommen dann noch die Dacharbeiten. Das eingespielte Team arbeitet Hand in Hand, jeder weiß, was er zu tun hat. Schon nach einem Tag sehen die Bauherren die erste Etage auf der Betondecke stehen. Von hier an vergehen in der Regel vier bis sechs Monate, bis das neue Holzrahmenhaus an seinen Besitzer übergeben wird.

Ein älterer Mann mit Brille und hellem Hemd steht vor gestapeltem Holz.
Ulrich Birkemeyer zeigt sein Lager, in dem der die Holzbestände wegen der schwierigen Liefersituation deutlich erhöht hat.

Just in Time hat Auszeit

Über Jahre hinweg wurde das erforderliche Material „just in time“ bei der Zimmerei angeliefert, um dann zeitnah verarbeitet zu werden. Aufgrund der Probleme innerhalb der Liefer- und Logistikketten entschied sich Birkemeyer für eine Veränderung: „Wir mussten uns anpassen, um Kundentermine einhalten zu können.“ In den vergangenen zwei Jahren hat er seine Warenwirtschaft den neuen Marktgegebenheiten angepasst und die Bestände erhöht. „Abhängig von den Aufträgen haben wir unsere Mengen verdreifacht, um handlungsfähig zu bleiben.“

Restaurator im Zimmererhandwerk

Ein Feld, dessen Auftragsvolumen in den letzten Jahren eine weniger wichtige Rolle gespielt hat, ist die Restaurierung von Fachwerkbauten. „Mit dem Erwerb der Zusatzqualifikation wollte ich auch für dieses Geschäftsfeld gut aufgestellt sein. Ich wohne ja schließlich in einer ländlichen Region mit vielen Fachwerkbauten“, so der staatlich geprüfte Meister und Restaurator im Zimmererhandwerk. „Ab und an sanieren und dämmen wir auch heute noch Häuser, wie zuletzt ein Bauernhaus aus dem Jahre 1902 oder den Kirchturm in Blasheim.“

Backsteinfassade mit Holzrahmen und Fensteröffnungen, Sonnenlicht wirft Schatten auf die Wand.
Die Zimmerei restauriert auch Fachwerkbauten.

Neben dem Denkmalschutz und den Sanierungskosten sieht er bei sich und anderen Betrieben für die Zukunft das Problem, das Mitarbeiter mit entsprechenden Kenntnissen und Fähigkeiten fehlen werden. „Die Zeit arbeitet gegen uns. Mit jedem Handwerker, der in den Ruhestand geht, verlieren wir diese wichtige Expertise.“ Und ohne eine klare Spezialisierung des Betriebes auf diese Fachrichtung fällt der Erhalt der nötigen Fachkenntnisse im Betrieb schwer.

Ausbildung im Handwerk: Bester Klimaschutz

Birkemeyer ist abseits seines Betriebes auch als Lehrlingswart und Kreishandwerksmeister der Kreishandwerkerschaft Wittekindsland ehrenamtlich aktiv. „Eine Ausbildung im Handwerk ist der beste Beitrag zum Klimaschutz, den junge Menschen leisten können“, stellt er klar. „Wir müssen die jungen Leute begeistern, denn ausschließlich auf dem Papier helfen uns Windkraftanlagen und Solarparks nicht.“ Er selbst kann sich in seinem Betrieb stets über zeitig besetzte Ausbildungsstellen freuen. Auch für 2023 ist bereits ein neuer Lehrling gefunden. „Viele Zugänge sind Freunde der Mitarbeiter. Und natürlich spielt auch die Mund-zu-Mund-Propaganda über unsere hochwertige Ausbildung eine wichtige Rolle.“

Junger Mann mit lockigem Haar sitzt auf einer Bank, trägt ein weißes T-Shirt und schwarze Shorts, lächelt und schaut in die Kamera, Holzwand im Hintergrund.
Von links: Jonas Große Wortmann, Len Plümer, Philipp Birkemeyer, Torben Konrad und Ulrich Birkemeyer (Foto und Titelbild: Zimmerei Birkemeyer)

Aus Ferienjob wurde Meistertitel

Zu seinem Wunschberuf kam der im Juni 1967 in Melle geborene Birkemeyer über seinen Vater, der neben der landwirtschaftlichen Tätigkeit auf einem gepachteten Hof als Bauhelfer in einer Zimmerei in der Nähe gearbeitet hatte. „Davon erzählte er mir immerzu. Irgendwann habe ich in den Schulferien meinen ersten Job dort angenommen und von Beginn an gewusst: Das ist meins“, erinnert sich Birkemeyer. Nach dem Hauptschulabschluss wurde aus dem Ferienjob beruflicher Ernst. Zwischenzeitlich war sein Vater verstorben und als Sohn fühlte er sich verpflichtet, seine Mutter zu entlasten, die ebenfalls durch mehrfache Erkrankungen eingeschränkt war. „Da musste ich direkt nach der Schule eine Ausbildung beginnen“, erinnert er sich.

Er arbeitete zwei Jahre als Geselle in seinem Lehrbetrieb und begann nach Abschluss der einst verlangten Pflichtzeit den berufsbegleitenden abendlichen Meisterkurs an der Handwerkskammer Osnabrück. Gegen Ende der Meisterschule absolvierte er den Zivildienst in einer Werkstatt für Menschen mit Beeinträchtigungen. 1994 folgte der handwerkliche Ritterschlag als bester Prüfling der Meisterklasse.

Ein Mann mit Brille und grauem Haar sitzt am Schreibtisch und schaut zur Kamera.
Von seinem Büro aus kümmert sich Ulrich Birkemeyer mit Unterstützung einer Mitarbeiterin um alle Belange der Zimmerei.

Ulrich Birkemeyer verlässt die Meute

Was nun begann, sollte das Ende des ersten Kapitels seiner beruflichen Laufbahn sein. „Ich arbeitete von da an gelegentlich im Büro mit, aber mir fiel es schwer, einfach die Seite zu tauschen“, erinnert sich der 55-Jährige an seine damalige Rolle. Aus dem Azubi war als Meister ein Teil der Geschäftsführung geworden. Damit tat er sich schwer: „Man kann nicht jahrelang mit der Meute heulen und dann ins Chefbüro wechseln.“ Kurzum: Ulrich Birkemeyer verließ den Betrieb. Er wollte nicht Vorgesetzter seiner Kollegen sein.

Geburtsstunde der eigenen Zimmerei

Passenderweise stand kurz darauf ohnehin der Umzug von Osnabrück nach Preußisch Oldendorf an, da seiner Frau hier nach abgeschlossenem Studium in European Business Studies eine Stelle im Marketing angeboten wurde. Birkemeyer fing als angestellter Meister in einem Betrieb im Kreis Minden-Lübbecke neu an und baute parallel eine kleine Selbstständigkeit auf. Zu Beginn übernahm er eigenverantwortlich lediglich kleine Aufträge: die Geburtsstunde der Zimmerei Ulrich Birkemeyer im Jahr 1994.

Ein Mann mit Brille und traditioneller Handwerkerkleidung steht vor einer Wand, hält eine Holzplatte und lächelt in die Kamera.
Die Zimmerei Birkemeyer erstellt Holzrahmenhäuser nach Kundenwunsch. Hierzu zählen auch Anschlussgebäude wie Garagen oder Carports.

Passion für ökologischen Holzbau

Kurz darauf wurde er abgeworben. Doch lange sollte er auch in diesem Betrieb nicht bleiben, denn mit der Geburt seines ersten Sohnes kam es bereits 1996 zum Konflikt. „Ich wollte ein Jahr Elternzeit nehmen und variabler arbeiten“, schildert er. Die Gespräche liefen ins Leere und läuteten das Ende Birkemeyers als Angestellter ein. Danach setzte er beruflich komplett auf die Selbstständigkeit.

Eine Werkstatt mit Werkbank, Werkzeugen und Holzbrettern. Tafeln hängen an der Wand, im Hintergrund ist eine Tür und verschiedene Geräte sichtbar.
Die Großsäge – auch Kappsäge genannt – ist unverzichtbarer Bestandteil des Maschinenparks der Zimmerei Ulrich Birkemeyer, um seine Holzrahmenhäuser nach Kundenwunsch herzustellen.

Anfang der 2000er Jahre stellte er die ersten Mitarbeiter ein. Seitdem geht er an der Spitze seines Teams seiner Passion für ökologischen Holzbau nach. „Ich habe es in den 37 Jahren seit Ausbildungsbeginn nie bereut, Zimmerer geworden zu sein“, denkt er mit Blick auf seinen Gesellenbrief zurück. „Ich fahre jeden Morgen gerne ins Büro.“

Sie interessieren sich für Holzbaubetriebe? Dann lesen Sie unsere Story über Marvin Fuchs, der mit 23 Jahren seine eigene Zimmerei gründete.

Gerald Weßel

Der studierte Wirtschaftsgeograf und ausgebildete Journalist schreibt seit Jahren in Bremen und dem Umland für die lokale Tageszeitung Weser-Kurier. An seiner Arbeit begeistert ihn vor allem die Vielfalt an Themen, Sichtweisen und Geschichten.

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