Nach über 15 Jahren ist es endlich wieder so weit: Thüringen hat seinen Klempnermeisterkurs zurück. Die Dachdeckerfachschule Lehesten setzt ein starkes Zeichen für die Branche und bietet seit August 2025 erstmalig die Möglichkeit, den Klempnermeister zu erwerben. Mit großem Erfolg wurde nun der erste Vorbereitungslehrgang inklusive Prüfung abgeschlossen – ein wichtiger Schritt für die Fachkräfte von morgen und ein Meilenstein für die Weiterbildung in der Region. Zehn Teilnehmende zeigten handwerkliche Präzision und technische Kompetenz. Der nächste Kurs könnte schon im August 2026 starten. „Wir hatten Dachdeckermeister, Klempnergesellen, Zimmerermeister und -gesellen unter den TeilnehmerInnen“, erklärt Amadeus Höhn, Bildungsstättenleiter in Lehesten.
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Innovationskraft und Engagement
Die Dachdeckerfachschule Lehesten blickt auf eine über 115-jährige Geschichte zurück und hat sich seit ihrer Gründung als zentrale Institution für Aus- und Weiterbildung in Thüringen etabliert. „Die kontinuierliche Erweiterung des Lehrgangsangebots – darunter die Einführung der Teile III und IV der Ausbildung zum Dachdeckermeister seit 2022 sowie der Zimmerermeisterkurs im Jahr 2017 – unterstreicht die Innovationskraft und das Engagement der Schule“, so Höhn.

Zehn motivierte Teilnehmende
Den neuen Klempnermeisterkurs hat Höhn gemeinsam mit seinem Team bereits Ende 2024 konzipiert und nun erfolgreich umgesetzt. „Hiermit besteht jetzt wieder die Möglichkeit, den Klempnermeistertitel bei uns in Thüringen zu erreichen“, berichtet Höhn. Mit dem jetzt beendeten ersten Kurs ist er sehr zufrieden. „Wir hatten zehn motivierte Teilnehmende, acht Männer und zwei Frauen aus drei Bundesländern.“

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Rund 790 Unterrichtseinheiten
Die rund 790 Unterrichtseinheiten teilen sich auf Praxis und Theorie auf. Während es in der Praxis um Inhalte wie Dachdeckungen, Dachentwässerung, Fassadenbekleidung und kreative Gestaltung geht, wurde in der Theorie Wissen in Werkstoffkunde, Bauphysik, Fachrechnen und Fachzeichnen, CAD, Dach- und Fassadensysteme, Bauvertragsrecht, Vor- und Nachkalkulation, Auftragsbeschaffung und -abwicklung sowie Arbeitssicherheit vermittelt. Amadeus Höhn: „Dabei steht und fällt die Qualität mit unseren Dozenten und Ausbildern, darunter Klempner-, Dachdecker- und Zimmerermeister sowie Gebäudeenergieberater (HWK) und Betriebswirte (HWO), bei denen ich mich herzlich bedanken möchte.“

Doppelstehfalzdeckung, Dachgauben und Schornsteinköpfe
Bereits im Dezember 2025 fand die Prüfungseinweisung statt, die sich auf die vorzubereitende Entwurfsvorlage des Meisterprüfungsprojektes bezog. Nach den letzten Unterrichtstagen im neuen Jahr wurden die angehenden Meister in drei Handlungsfeldern theoretisch geprüft: Fertigungs-, Montage- und Instandhaltungstechnik, Auftragsabwicklung sowie Betriebsführung und Betriebsorganisation. Anschließend setzten sich die Prüflinge intensiv mit der Umsetzung ihres Meisterprüfungsprojektes auseinander – einschließlich der erforderlichen technischen Dokumentation. Im Rahmen der Aufgabe fertigten die Teilnehmenden individuelle Dachkonstruktionen mit Dachgauben und Schornsteinköpfen an, versehen mit einer Doppelstehfalzdeckung.

Kreative Freiheit bei Prüfungsaufgabe
Die Ausbilder gaben den MeisterschülerInnen dabei die Möglichkeit, gestalterische Elemente in ihr Werkstück einzubringen. Diese kreative Freiheit nutzten mehrere Prüflinge auf individuelle Weise. So integrierte etwa Stine Klosa aus Saalfeld einen gefalzten Schwanenhals mit einer zusätzlichen Rosenranke an der Dachentwässerung ihres Meisterstücks. Und Noah Jakubowski setzte mit seinen selbst gekanteten, mayagoldfarbenen Schindeln einen besonderen optischen Akzent. „So spiegelten die Meisterstücke nicht nur handwerkliche Präzision und technische Kompetenz wider, sondern auch die persönliche Handschrift und gestalterische Vielfalt der Prüflinge“, erläutert Höhn. In der letzten Woche der Prüfung fanden die Fachgespräche und die Situationsaufgabe statt.

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Fassadenausschnitt: Steckfalzpaneele nebst Fenstereinfassung
In letzterer mussten die Teilnehmenden einen Fassadenausschnitt einer Steckfalzpaneele nebst Fenstereinfassung in acht Stunden herstellen. „Wir sind stolz auf unsere angehenden KlempnermeisterInnen und bedanken uns herzlich für das gemeinsame Halbjahr. Das gesamte Team der Dachdeckerschule Lehesten wünscht allen MeisterschülerInnen alles Gute und viel Erfolg auf ihrem weiteren beruflichen Weg“, sagt Höhn. „Ein besonderer Dank gilt zudem den Mitgliedern des neu gegründeten Prüfungsausschusses. Ohne ihr Engagement und ihre zuverlässige Arbeit wäre all dies nicht möglich gewesen.“

Infotag zu Meisterkursen
Interessierte an den Meisterkursen lädt die Dachdeckerfachschule am 5. Juni um 10 Uhr zum Infotag auf dem Gelände in Lehesten ein. Genauere Informationen sind auf der Webseite verfügbar. Über eine rege Teilnahme mit vorheriger telefonischer Anmeldung würde sich das Team freuen. Amadeus Höhn: „Die aktuellen Anmeldezahlen garantieren auch in diesem Jahr wieder einen Vorbereitungslehrgang zum Meister in den Gewerken Zimmerer und Dachdecker. Eine frühzeitige Anmeldung lohnt sich!“ Kontakt für die Anmeldung: Telefon 036653/22308.