Schwarzes DACH LIVE Logo, wobei das A und der Schrägstrich im Wort rot hervorgehoben sind.
Acht Personen in schwarzen Jacken und Arbeitshosen stehen und posieren auf einem großen Dach mit historischen Backsteinbauten und Gerüsten im Hintergrund. Bei der Gruppe scheint es sich um Bauarbeiter oder Dachdecker zu handeln.

Dach-Baustellen

Zwei Oberlichtfenster mit geschlossenen Außenjalousien sind auf einem dunklen, mit Ziegeln gedeckten Schrägdach installiert, und im Hintergrund sind grüne Bäume zu sehen.

Produkte

Zwei Arbeiter in grünen Hemden und Handschuhen verlegen unter strahlend blauem Himmel orangefarbene Dachziegel auf einem Schrägdach, wobei einer dem anderen einen Ziegel reicht. In der Nähe sind Stapel von Ziegeln zu sehen.

Dachdeckerbetrieb

Ein Arbeiter mit rotem Schutzhelm und Klettergurt kniet auf einem Dach, hält ein Telefon in der Hand und überprüft die an einem Kabel befestigte Sicherheitsausrüstung.

Arbeitssicherheit

Eine lächelnde Person in einem weißen Hemd und grauen Handschuhen verlegt Dachziegel auf einem schrägen Dach, wobei im Hintergrund Sicherheitsnetze und Gebäude zu sehen sind.

Dachdecker werden

Zwei Männer stehen in einem Lagerhaus und schauen gemeinsam auf eine Tafel. Ein Mann trägt ein rotes Hemd und hält ein aufgerolltes Papier, der andere trägt ein schwarzes Hemd. Im Hintergrund sind große Regale mit Säcken oder Behältern zu sehen.

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Bild von VELUX Banner
Ein junger Mann arbeitet auf einem Dach, legt dunkle Dachschindeln und trägt ein blaues T-Shirt.

Oliver Reiner: Was Dachdecker vom Golfsport lernen können

Harald Friedrich

29. August 2024

Um einmal mit dem Schluss anzufangen: Auf die Frage nach seinen Hobbies antwortete Oliver Reiner: Golf spielen. „Das ist ein Sport, bei dem Fehler nicht rückgängig zu machen sind.“ Vielleicht ist gerade das schon die Antwort, warum es im Landesinnungsverband des Dachdeckerhandwerks Rheinland-Pfalz einen Betriebswirtschaftlichen Ausschuss mit ihm an der Spitze gibt.

Keine Stundensätze aus dem Bauch oder aus Gewohnheit festlegen

Die Mehrzahl der Dachdeckerbetriebe in Rheinland-Pfalz haben wenige Mitarbeiter, oft sind es sogar 1- und 2-Personen-Betriebe. Und wer fünf bis sechs Tage pro Woche selbst auf der Baustelle arbeitet, hat wenig Zeit und naturgemäß nur wenig Muße, sich auch noch intensiv mit dem Thema Betriebswirtschaft zu befassen. So ist es durchaus erklärbar, wenn auch sicher nicht unternehmerisch vernünftig, dass beispielsweise Stundenverrechnungssätze eher „aus dem Bauch“ und aus Gewohnheit als kaufmännisch fundiert kalkuliert werden. Dem möchte Oliver Reiner mit seiner Arbeit im Betriebswirtschaftlichen Ausschuss entgegenwirken. Denn am Ende des Tages geht es ja darum, dass jeder Betrieb möglichst profitabel wirtschaftet.

Bild von Mitarbeiter von Dachdeckermeister Oliver Reiner mit Dachfahne
Dachsanierungen mit Schwerpunkt Schiefer sind die Spezialität des Betriebs. (Alle Fotos Reiner-Dach)

Unterschiede zwischen Dachsanierung und Neubau

Natürlich ist eines klar: Die Arbeit für Privatkunden im Bereich energetische Dachsanierung ist lukrativer als etwa der aktuell kriselnde Neubaubereich. „In unserem eigenen Betrieb, der sich auf Dachsanierungen mit Schwerpunkt Schiefer spezialisiert hat, ist oft eine großzügigere Kalkulation möglich“, gibt Oliver Reiner zu, der den Betrieb in Dörth im linksrheinischen Rhein-Hunsrück-Kreis 2019 von seinem Vater übernommen hat. „Doch gerade wer im Neubaubereich aktiv ist, muss eher hart am Limit kalkulieren.“ Denn im Neubau entscheiden oft nur wenige Euro im Angebot, ob der Auftrag erteilt oder an Mitbewerber vergeben wird.

Erfahrungsschatz und Know-how ehrenamtlich weitergeben

Was lag mit dem Hintergrund des eigenen Erfahrungsschatzes, einem abgeschlossenen BWL-Studium und einer mehrjährigen Mitgliedschaft im Betriebswirtschaftlichen Ausschuss des ZVDH für Oliver Reiner näher, als auch im Landesinnungsverband RLP ein Referat Betriebswirtschaft ins Leben zu rufen? Gesagt, 2021 getan und mit der ersten Sitzung am 19. Juli des gleichen Jahres wurde der Ausschuss mit Leben gefüllt. Genauer gesagt: Alle dem LIV angeschlossenen Innungen konnten geeignete Kandidaten als Ausschussmitglieder benennen. Sechs von ihnen bilden seitdem zusammen mit Oliver Reiner den Ausschuss.

Bild von Dachdeckermeister Oliver Reiner
Oliver Reiner engagiert sich ehrenamtlich im Betriebswirtschaftlichen Ausschuss des Landesinnungsverbandes der Dachdecker in Rheinland-Pfalz.

Hilfe in Sachen wuchernde Bürokratie

„Natürlich wollen wir den Betrieben auch Hilfestellung bei der wuchernden Bürokratie geben“, so Reiner. „Dazu konzentrieren wir uns systematisch auf die Themen, die akut sind oder künftig die Betriebe am meisten belasten werden.“ Jeweils zu Beginn eines Jahres wird ein Themenfahrplan festgelegt. Dazu und zu weiteren aktuellen Themen erhalten die Mitgliedsbetriebe einen Newsletter.

Erhebung von Daten im Dachdeckerhandwerk

Schwerpunkt Nr. 1 – und Dauerbrenner – ist die Erfassung und Zusammenfassung von Zahlen, Daten, Fakten und Trends im Dachdeckerhandwerk Rheinland-Pfalz. „Nur wer diese Basisinformationen hat, kann auch die Stellung seines Betriebs am Markt richtig einschätzen und entscheiden, wo er künftig stehen will.“ Das gilt gerade auch für die Kalkulation und die Stundenverrechnungssätze.

Bild von Mitarbeitern von Dachdeckermeister Oliver Reiner bei Schieferarbeiten
Cyberangriffe drohen nicht auf der Baustelle, aber immer öfter im Büro.

Cybersicherheit: Rahmenvertrag mit Versicherung

Zweiter Schwerpunkt ist der gezielte Ausbau von Rahmenverträgen. Aus seiner eigenen Betriebspraxis weiß Oliver Reiner, dass die Cybersicherheit einen immer höheren Stellenwert einnimmt. „Nicht nur Großkonzerne, sondern gerade kleine und mittlere Unternehmen werden zunehmend Ziel von Hackerangriffen und Cyberkriminalität, wie etwa durch Datenverschlüsselung zum Zweck der Erpressung“, warnt Reiner. Deshalb wurde jetzt ein Rahmenvertrag mit einer Cyberversicherung abgeschlossen, von dem exklusiv die Innungsmitglieder profitieren

Anbieter für rechtssichere Archivierung von Dokumenten gefunden

Nicht so neu aber ebenso wichtig ist die Umsetzung der Dokumentenarchivierung als dritter Schwerpunkt. Gemäß HGB und BGB sowie nach den „Grundsätzen zur ordnungsmäßigen Führung und Aufbewahrung von Büchern, Aufzeichnungen und Unterlagen in elektronischer Form sowie zum Datenzugriff“ (GoBD), der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) und dem „Gesetz zum Schutz von Geschäftsgeheimnissen“ (GeschGehG) sind in Deutschland alle Betriebe zur rechtssicheren Archivierung von Dokumenten verpflichtet. Dazu gehört – was vielen Unternehmern nicht bewusst ist – beispielsweise auch der E-Mail-Verkehr.  „Wir konnten einen auf kleinere Unternehmen spezialisierten Anbieter finden und für ein Rahmenabkommen mit uns und für unsere Mitglieder gewinnen“, freut sich Oliver Reiner.

Bild von saniertem Schiefer-Dach
Neben seinem Betrieb noch Kollegen unterstützen mit wichtigen Infos zu betriebswirtschaftlichen Themen, das ist für Oliver Reiner selbstverständlich.

Nächstes Thema: Gewerbeabfallentsorgung

Schon stehen die nächsten Schwerpunktthemen, die in drei bis vier Ausschusssitzungen pro Jahr besprochen werden, auf dem Fahrplan. Mit dabei wird die Gewerbeabfallentsorgung sein, verrät Oliver Reiner schon jetzt. „Da sind wir auf einem guten Weg und im Gespräch mit einem qualifizierten Entsorgungsspezialisten.“ Der Betriebswirtschaftsexperte und Dachdeckermeister Oliver Reiner weiß: „Wer mit solchen Rahmenabkommen seine Fixkosten im Griff hat, kann besser kalkulieren.“

Saubere Kalkulation und Kostenkontrolle der Baustellen

Sein Tipp: Nur der intensive und regelmäßige Austausch mit dem eigenen Steuerberater ermöglicht, auf eingetretene oder am Markt zu erwartende Veränderungen zu reagieren. Dabei sind die Stundenverrechnungssätze wichtig, aber nicht alles. „Wer hier sauber kalkuliert, kann zum Beispiel durch Gehaltsextras auch aktive Mitarbeiterbindung realisieren.“  Ebenso wichtig wie das exakt kalkulierte Angebot ist auch die laufende Kostenermittlung und Kostenkontrolle der Baustellen, bestätigt Oliver Reiner aus Erfahrung.

Bild von Mitarbeitern von Dachdeckermeister Oliver Reiner
Die Kontrolle der Kosten auf laufenden Baustellen ist enorm wichtig, damit am Ende mit einem Projekt auch wirklich Geld verdient werden kann.

Wartungsverträge für Folgeaufträge

Zur „Wertschätzung“ der Arbeit des Dachdeckerhandwerks gehört nach Reiners Ansicht auch ganz klar die Dachwartung. „Wer seine Kunden zu diesem Thema schriftlich kontaktiert, drückt damit einerseits seine Wertschätzung des Kunden, aber auch die Wertschätzung der erbrachten Leistung aus und behält so immer einen Fuß in der Tür.“ Für Reiner ist das ebenso ein betriebswirtschaftlicher Aspekt, denn damit können langfristig Folgeaufträge gesichert werden.

Enge Verzahnung mit betriebswirtschaftlicher Beratung

Wie bei den meisten Landesinnungsverbänden im Dachdeckerhandwerk gibt es natürlich auch beim Landesinnungsverband in Koblenz eine betriebswirtschaftliche Beratung für die Mitglieder. Können hier spezielle Themen nicht umfassend beantwortet werden, landen diese auf dem Tisch des Ausschusses – auch zur weiteren Beratung oder als Anregung für den nächsten Themenfahrplan.

Bild von Mitarbeitern von Dachdeckermeister Oliver Reiner bei TV-Reportage
Das regionale Fernsehen war schon zu Gast bei Reiner-Dach, um über den innovativen Betrieb zu berichten.

Aufsichtsratsmandat bei der DEG Koblenz

Auf indirektem Weg setzt sich Oliver Reiner auch mit seinem Sitz im Aufsichtsrat des Bedachungsfachhändlers DEG Alles für das Dach eG in Koblenz für die Mitglieder seines Landesinnungsverbandes ein. „Große Konzerne haben die kleinen Handwerksbetriebe oft nicht mehr im Blickfeld“, so sagte er einmal. Genau da ist der Dachdeckereinkauf mit seinem genossenschaftlichen Prinzip das wichtige Bindeglied zwischen Hersteller und Verarbeiter. Genossenschaft macht den einzelnen Betrieb stark. „Ich bin nicht im Aufsichtsrat, um einfach im Aufsichtsrat zu sein“, erklärt Reiner. Als Überzeugungstäter engagiert er sich ehrenamtlich bei der DEG, weil dort gute betriebswirtschaftliche Arbeit zum Nutzen für die Genossenschaftsmitglieder geleistet wird. „Man muss sich bei dem Posten wohlfühlen und sich mit der Aufgabe identifizieren.“

Bild von Dachdeckermeister Oliver Reiner beim Golfen
"Was man beim Golf tut, muss sitzen und lässt sich nicht mehr umkehren", berichtet Oliver Reiner über sein Hobby, das für ihn viele Parallelen aufweist zum Thema Betriebswirtschaft.

Freizeit gehört der Familie und dem Golfsport

Zum Wohlfühlen in seiner dann eher knapp bemessenen Freizeit freut er sich auf seine Familie – und auf den Golfsport. Da schließt sich der Kreis für den 43-Jährigen: „Man stellt sich seiner eigenen Leistung und hat nicht – wie im Fußball – 90 Minuten Zeit, Fehler zu korrigieren. Was man beim Golf tut, muss sitzen und lässt sich nicht mehr umkehren.“ Wie eingangs schon erwähnt, ist das vielleicht der Grund, Betriebswirtschaftler mit Leib und Seele zu sein. Oder um Golf zu spielen…?

Sie interessieren sich für Themen aus den Verbänden? Dann lesen Sie unsere Story über drei Dachdeckermeister, die eine Spenden-Fahrradtour organisierten für ein Kinder- und Jugendhospiz.

Harald Friedrich

In den 80er Jahren kam der ausgebildete Werbekaufmann und Texter zum Journalismus. Seit dieser Zeit unterstützt er zahlreiche Dachdecker-Landesverbände bei ihrer Öffentlichkeitsarbeit durch Vor-, Nach- und Querdenken. So hob er das Verbandsmagazin des Bayerischen Dachdeckerhandwerks mit aus der Taufe und erstellt bis heute fünf Ausgaben pro Jahr komplett. Er schreibt zudem für Fachmedien im Bereich Handwerk, darunter seit Jahren auch „Das DACH“. Sein Motto: „Schreiben ist nichts weiter als eine permanente Neuordnung von 26 Buchstaben."

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