Schwarzes DACH LIVE Logo, wobei das A und der Schrägstrich im Wort rot hervorgehoben sind.
Acht Personen in schwarzen Jacken und Arbeitshosen stehen und posieren auf einem großen Dach mit historischen Backsteinbauten und Gerüsten im Hintergrund. Bei der Gruppe scheint es sich um Bauarbeiter oder Dachdecker zu handeln.

Dach-Baustellen

Zwei Oberlichtfenster mit geschlossenen Außenjalousien sind auf einem dunklen, mit Ziegeln gedeckten Schrägdach installiert, und im Hintergrund sind grüne Bäume zu sehen.

Produkte

Zwei Arbeiter in grünen Hemden und Handschuhen verlegen unter strahlend blauem Himmel orangefarbene Dachziegel auf einem Schrägdach, wobei einer dem anderen einen Ziegel reicht. In der Nähe sind Stapel von Ziegeln zu sehen.

Dachdeckerbetrieb

Ein Arbeiter mit rotem Schutzhelm und Klettergurt kniet auf einem Dach, hält ein Telefon in der Hand und überprüft die an einem Kabel befestigte Sicherheitsausrüstung.

Arbeitssicherheit

Eine lächelnde Person in einem weißen Hemd und grauen Handschuhen verlegt Dachziegel auf einem schrägen Dach, wobei im Hintergrund Sicherheitsnetze und Gebäude zu sehen sind.

Dachdecker werden

Zwei Männer stehen in einem Lagerhaus und schauen gemeinsam auf eine Tafel. Ein Mann trägt ein rotes Hemd und hält ein aufgerolltes Papier, der andere trägt ein schwarzes Hemd. Im Hintergrund sind große Regale mit Säcken oder Behältern zu sehen.

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Junge Person mit lockigen Haaren und Brille trägt dunkelblauen Hoodie, lächelt in die Kamera, im Hintergrund Gebäude und bewölkter Himmel.

Jung-Gesellin Michelle Dietrich: Berufseinstieg als Jahrgangsbeste

Anne-Katrin Wehrmann

2. Januar 2026

Sie ist ein ziemlich ehrgeiziger Typ: Das sagt Michelle Dietrich über sich selbst. Und so passt es ins Bild, dass die 19-Jährige ihre Gesellenprüfung bei der Dachdecker-Innung Bremen kürzlich als Jahrgangsbeste abgelegt hat. Ihren Ausbildungsbetrieb Friedrich Schmidt Bedachungs GmbH freut das – ebenso wie ihr Vorhaben, beizeiten auch den Meistertitel ins Visier nehmen zu wollen.

Im Hintergrund das Weserstadion

Der Ort, an dem Michelle Dietrich an diesem Tag im Einsatz ist, dürfte vielen Bremerinnen und Bremern ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Hier oben auf dem Dach ist die Aussicht eine ganz besondere. Der Blick fällt direkt auf die charakteristischen Flutlichtmasten des Weserstadions, die sich im Hintergrund vor dem Himmel abzeichnen. Das nimmt die 19-Jährige allerdings kaum wahr, denn erstens ist sie auf ihre Arbeit konzentriert – und zweitens schlägt ihr Herz für keinen bestimmten Verein, noch nicht einmal für Werder Bremen. Und das, obwohl sie in der Stadt geboren ist und bis vor Kurzem selbst noch Fußball gespielt hat. „Das ist der einzige Fehler, den Michelle hat“, sagt ihre Chefin und Dachdeckermeisterin Katrin Detring-Pomplun und lacht.

Bild von Michelle Dietrich mit Katrin Detring-Pomplun
Die Chefin und die junge Gesellin: Katrin Detring-Pomplun und Michelle Dietrich. (Alle Fotos: Wehrmann)

Katrin Detring-Pomplun erhielt 2022 den Preis als beste Ausbilderin im Handwerk. Lest hier unser Portrait!

Von Anfang an überzeugend

Abgesehen von dieser kleinen „Schwäche“ gibt es allerdings keinen Grund zum Klagen, ganz im Gegenteil. Mit ihrer Ex-Auszubildenden und jetzigen Gesellin habe sie großes Glück gehabt, betont die Inhaberin von Schmidt Bedachungen. „Ich habe mich sehr darüber gefreut, dass sie Prüfungsbeste geworden ist, aber überrascht hat mich das eigentlich nicht. Das hatte sich vorher schon so herauskristallisiert.“ Michelle Dietrich habe von Anfang an ausgestrahlt, dass sie hoch hinaus will – und so sei es dann auch gekommen, erinnert sich Detring-Pomplun.

Begeisterung fürs Handwerk

Zurück auf dem Dach in der Nähe des Weserstadions, wo Michelle Dietrich und ihre Kollegen gerade mit einem Umdecker-Projekt beschäftigt sind. „Umdecken macht mir besonders viel Spaß, weil man da immer wieder etwas anderes sieht“, erzählt sie. Dass sie nach dem Abschluss der Realschule eine handwerkliche Ausbildung starten würde, war ihr schon früh klar. „Mein Vater ist Kfz-Mechaniker, mit dem habe ich oft an Autos herumgeschraubt. Dann wurde vor einigen Jahren bei uns zuhause das Dach gemacht, und ich fand es total spannend, wie die Jungs da oben frei herumgelaufen sind. Da habe ich mir gesagt: Das will ich auch können.“

Bild von Michelle Dietrich bei der Arbeit auf dem Dach
Holzarbeiten hoch oben auf dem Dach gehören zum Alltag.

(Keine) Vorbehalte gegenüber Frauen

Weil sie nicht nur ehrgeizig ist, sondern auch zielstrebig, machte Michelle Dietrich noch während der Schulzeit diverse Praktika bei unterschiedlichen Dachdeckerbetrieben. Als es schließlich darum ging, sich um einen Ausbildungsplatz zu bewerben, wurde sie auch zu mehreren Vorstellungsgesprächen eingeladen – um sich dann allerdings wiederholt anhören zu müssen, dass man keine Frau einstellen wolle. Ganz anders verlief das Gespräch bei Schmidt Bedachungen, wo mit Katrin Detring-Pomplun nicht nur eine Frau das Steuer in der Hand hält, sondern neben zwei Gesellinnen aktuell auch fünf weibliche Auszubildende beschäftigt sind. „Ich bin da herzlich empfangen worden und habe mich gleich wohlgefühlt“, sagt die 19-Jährige.

Schmidt Bedachungen geht schon länger ungewöhnliche Wege in Sachen Fachkräftegewinnung. Lest hier unsere Story dazu!

„Was zählt, ist zwischen den Ohren“

Sie habe keine Angst, junge Frauen einzustellen, macht Detring-Pomplun deutlich. Das früher häufig gehörte Argument, Frauen seien körperlich schwächer, zähle nicht. „Es gibt inzwischen so viele Hilfsmittel – da zählt viel mehr, was zwischen den Ohren passiert. Zudem ist die Stimmung auf der Baustelle ist immer besser, wenn Mädels im Team sind. Dann benehmen sich die Jungs tendenziell vielleicht etwas besser.“ Grundsätzlich sei es ihr egal, welches Geschlecht ihre Azubis hätten: „Hauptsache, sie sind motiviert.“ Bei jungen Frauen wie Michelle Dietrich sei das praktisch automatisch der Fall. „Wenn die hier auftauchen, sind sie wirklich überzeugt und haben richtig Bock.“

Bild von Michelle Dietrich auf dem Dach
Michelle Dietrich musste sich bei Einstellungsgesprächen anhören, dass man keine Frau haben will.

Eine weibliche Durchstarterin ist Dachdecker- und Klempnermeisterin Julia Peetz. Wir stellen Sie vor!

Arbeit kann eine Erfüllung sein

Für die 44-jährige Dachdeckermeisterin ist Ausbildung ein entscheidender Faktor, um die Zukunftsfähigkeit ihres Unternehmens zu sichern. Aktuell beschäftigt der Betrieb, der Mitglied der DEX eG ist und dort sein Material bezieht, 100 Mitarbeitende plus Verwaltungskräfte – davon 35 Auszubildende. Vor drei Jahren wurde Detring-Pomplun für ihre innovativen Qualifikationskonzepte und Ausbildungspartnerschaften mit dem „Heribert-Späth-Preis für besondere Ausbildungsleistungen im Handwerk“ ausgezeichnet. Was ihr dabei ein besonderes Anliegen ist: „Wir wollen vermitteln, dass Arbeit auch eine Erfüllung sein und Spaß machen kann.“

Bild von Michelle Dietrich auf dem Dach
Bewegt sich als Dachdeckergesellin inzwischen selbstbewusster auf den Baustellen.

Selbstbewusst auf der Baustelle

Bei Michelle Dietrich hatte sie diesbezüglich nicht viel Überzeugungsarbeit zu leisten, die 19-Jährige war von Anfang an mit Begeisterung bei der Sache. „Vor der Gesellenprüfung war ich extrem aufgeregt. Ich weiß, dass ich vieles kann – aber ich wusste nicht, was mich erwartet und wie streng die Prüfer sind.“ Schon zu Schulzeiten habe sie unter Prüfungsangst gelitten: „Darum bin ich schon ein bisschen stolz darauf, was ich geschafft habe“, so Michelle Dietrich. Als Gesellin kann sich die nach eigener Aussage eher schüchterne junge Dachdeckerin „nun selbstbewusster auf der Baustelle bewegen und sich besser gegenüber männlichen Kunden behaupten“. Denn tatsächlich komme es hin und wieder vor, dass sie und ihre Arbeit angezweifelt würden: „Da kommen dann so Fragen wie: Wollen Sie das nicht lieber von einem Kollegen machen lassen?“

Bild von Michelle Dietrich mit ihrem Ausbilder Laurens Göbberd
„Die Stimmung auf der Baustelle ist besser, wenn Mädels im Team sind", sagt Katrin Detring-Pomplun.

Einfach mal ausprobieren

Beeinflussen lässt sich Michelle Dietrich von solchen Aussagen zum Glück nicht. Und weil sie eben ganz genau weiß, was sie kann, hat sie das nächste Ziel schon im Visier: den Meistertitel. Nicht sofort, aber in ein paar Jahren. „Bis dahin möchte ich weiter Erfahrungen sammeln und dann vielleicht mit Anfang oder Mitte 30 als Bauleiterin ins Büro.“

Bild von Michelle Dietrich mit ihrer Auszeichnugn
Ehrung als Ausbildungsbeste der Bremer Innung im Rathaus. (Foto: Dachdeckerinnung Bremen)

Anderen jungen Frauen, die über einen Einstieg in die Dachdeckerei nachdenken, rät sie, es einfach mal auszuprobieren. „Dafür gibt es ja Praktika und die Probezeit“, macht Michelle Dietrich deutlich. „Die Probezeit ist nicht nur für die Betriebe da, sondern auch für uns. Da können wir schauen, ob wir ein dickes Fell bekommen. Denn zwischendurch braucht es das dann schon noch manchmal.“

Anne-Katrin Wehrmann

Als ausgebildete Journalistin hat Anne-Katrin Wehrmann ihr Handwerk bei Tageszeitungen gelernt. Seit sie vor vielen Jahren in die Freiberuflichkeit wechselte, schreibt sie für unterschiedliche Publikationen und arbeitet für den öffentlich-rechtlichen Hörfunk. Ihr Interesse für das Handwerk entdeckte sie während ihrer mehrjährigen Tätigkeit für das Magazin „Handwerk in Bremen und Bremerhaven“.

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