Schwarzes DACH LIVE Logo, wobei das A und der Schrägstrich im Wort rot hervorgehoben sind.
Acht Personen in schwarzen Jacken und Arbeitshosen stehen und posieren auf einem großen Dach mit historischen Backsteinbauten und Gerüsten im Hintergrund. Bei der Gruppe scheint es sich um Bauarbeiter oder Dachdecker zu handeln.

Dach-Baustellen

Zwei Oberlichtfenster mit geschlossenen Außenjalousien sind auf einem dunklen, mit Ziegeln gedeckten Schrägdach installiert, und im Hintergrund sind grüne Bäume zu sehen.

Produkte

Zwei Arbeiter in grünen Hemden und Handschuhen verlegen unter strahlend blauem Himmel orangefarbene Dachziegel auf einem Schrägdach, wobei einer dem anderen einen Ziegel reicht. In der Nähe sind Stapel von Ziegeln zu sehen.

Dachdeckerbetrieb

Ein Arbeiter mit rotem Schutzhelm und Klettergurt kniet auf einem Dach, hält ein Telefon in der Hand und überprüft die an einem Kabel befestigte Sicherheitsausrüstung.

Arbeitssicherheit

Eine lächelnde Person in einem weißen Hemd und grauen Handschuhen verlegt Dachziegel auf einem schrägen Dach, wobei im Hintergrund Sicherheitsnetze und Gebäude zu sehen sind.

Dachdecker werden

Zwei Männer stehen in einem Lagerhaus und schauen gemeinsam auf eine Tafel. Ein Mann trägt ein rotes Hemd und hält ein aufgerolltes Papier, der andere trägt ein schwarzes Hemd. Im Hintergrund sind große Regale mit Säcken oder Behältern zu sehen.

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Ein Mann in Arbeitskleidung liegt am Boden und hält sich vor Schmerzen den Arm.

Bauunfälle 2022: Ein tödlicher Absturz alle fünf Tage

Knut Köstergarten

20. April 2023

Trotz leicht rückläufiger Bauunfälle gibt es solche Vorfälle noch immer viel zu oft. Ein 61 Jahre alter Dachdecker ist am Donnerstag, 13. April 2023, bei einem Sturz von einem Baugerüst in Schulzendorf gestorben. Das teilte die zuständige Polizeidirektion Süd in Cottbus mit. Aus noch unbekannten Gründen stürzte der Mann auf der Baustelle eines Einfamilienhauses rund sechs Meter in die Tiefe. Er sei trotz Reanimationsmaßnahmen an seinen schweren Verletzungen gestorben.

Alarmierende Bilanz Bauunfälle 2022

Dass dieser tödliche Absturz kein Einzelfall ist, zeigt die jüngst von der Berufsgenossenschaft für die Bauwirtschaft (BG Bau) vorgelegte Jahresbilanz der Bauunfälle 2022. Als „alarmierend“ bezeichnete denn auch der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU), Robert Feiger, das Unfallgeschehen auf Deutschlands Baustellen. So starb, statistisch gesehen, im vergangenen Jahr bundesweit alle dreieinhalb Arbeitstage ein Bauarbeiter im Job. „74 tödlich verletzte Bauarbeiter und 99 380 gemeldete Bauunfälle insgesamt – das sind erschreckende Zahlen“, meint Feiger.

Bild von Dachdecker mit PSA
Sicherheit geht vor: 74 tödliche Baufälle gab es 2022.

IG Bau: Dunkelziffer Bauunfälle weit höher

„Auch wenn die Zahlen gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen sind, ist das Unfallgeschehen auf dem Bau hoch. Baustellen gehören nach wie vor zum Sorgenkind in Sachen Arbeitsschutz“, so Feiger. 2021 wurden 103 518 Unfälle gemeldet, bei denen 85 Arbeiter gestorben sind. Nach Einschätzung des IG BAU-Bundesvorsitzenden liegt die Dunkelziffer der Bauunfälle noch deutlich höher als die Zahlen in der Statistik. „Zum einen werden viele – gerade kleinere Unfälle – gar nicht gemeldet. Zum anderen werden da, wo ausländische Beschäftigte auf Baustellen arbeiten, Unfälle vielfach bagatellisiert oder vertuscht“, berichtet Feiger.

Tödliche Bauunfälle: Absturz als häufigste Ursache

Fast ein Drittel der durch die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (baua) erfassten tödlichen Arbeitsunfälle sind Absturzunfälle. Dabei sind die Personen von Gerüsten, Leitern, Bauwerksdächern oder Maschinen gestürzt oder durch Bauteile wie Lichtkuppeln durchgebrochen. Das aktualisierte Faktenblatt „Tödliche Arbeitsunfälle – Absturzunfälle“ benennt einzelne Unfallfaktoren und -ursachen. Die Kenntnis darüber soll laut Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH) für die Gefahren sensibilisieren und so zur Reduzierung von Absturzunfällen beitragen.

Bild von Bauarbeiten-Publikation zu Bauunfällen
Fast ein Drittel der durch die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (baua) erfassten tödlichen Arbeitsunfälle sind Absturzunfälle.

Wichtig gegen Bauunfälle: die Gefährdungsbeurteilung

Als zentrales Instrument des Arbeitsschutzes gilt die Gefährdungsbeurteilung. Bei 434 der 717 Absturzunfälle, 60,5 Prozent, ist bekannt, dass eine solche Gefährdungsbeurteilung nach dem Arbeitsschutzgesetz vorlag, diese in 200 Fällen jedoch unvollständig war. In 195 Fällen war sie nicht an aktuelle Änderungen des Arbeitssystems angepasst. Das heißt: Lediglich bei 170 Absturzunfällen wurde die Gefährdungsbeurteilung als vollständig und aktuell eingestuft. Das ist ein Besorgnis erregender Befund.  

Um zukünftig Absturzunfälle und generell Bauunfälle zu vermeiden, sind deshalb laut ZVDH situationsgerechte und aktuelle Gefährdungsbeurteilungen unerlässlich. Sie dienten als Grundlagen für geeignete Arbeitsschutzmaßnahmen wie regelmäßige Unterweisungen und Sensibilisierung von Beschäftigten sowie das Tragen von persönlichen Schutzausrüstungen. Auf diese Weise helfen Gefährdungsbeurteilung und die Umsetzung von Maßnahmen diese Absturzunfälle zu vermeiden. 

PSA-Schulung
Präventionsschulungen zur Arbeit mit der persönlichen Schutzausrüstung gibt es längst bundesweit. (Foto: ropeness unlimited)

Bauunfälle: Prävention ist alles

Die BG BAU informiert ausführlich, wie Unfälle vermieden werden können, so zum Beispiel auf der Webseite „Absturz und Durchsturz vermeiden“. Auch der Einsatz der Bausteine-App oder der webbasierten App DigitGB hilft laut ZVDH, sich der Gefahren noch einmal bewusster zu werden. Und nicht nur die jüngeren KollegInnen müssten sensibilisiert werden, auch erfahrene Mitarbeitende sollten immer wieder mit den Themen Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit konfrontiert werden. Und da auch manchmal Humor ein guter Lehrmeister ist, weist der ZVDH auf ein Video von YouTuber Varion hin, der im Auftrag der BG Bau in humorvoller Weise ein ernstes Thema gekonnt in Szene setzt.

Bild von Varion YouTube Video
YouTuber Varion hat für die BG Bau ein cooles Video zum Thema Leitersicherheit gedreht.

Für den IG BAU-Bundesvorsitzenden Feiger ist die neueste Unfallbilanz der BG Bau ebenfalls ein dickes Ausrufezeichen, die Sicherheit und den Gesundheitsschutz für die Beschäftigten noch ernster zu nehmen und die Arbeitsgefahren so weit wie möglich zu minimieren. „Sicherheit auf den Baustellen muss oberste Priorität haben“, so Feiger. Hoher Kosten- und Zeitdruck dürften nicht dazu führen, dass der Arbeitsschutz vernachlässigt werde.

Bauunfälle: Forderung nach höherem Kontrolldruck

Nach Einschätzung von Carsten Burckhardt, Mitglied im IG BAU-Bundesvorstand und zuständig für Arbeitsschutz, passieren die meisten Unfälle in kleineren Betrieben. „Hier müssen wir dringend ein anderes Bewusstsein schaffen. Obwohl die BG Bau in puncto Sicherheit schon eine gute und wichtige Arbeit leistet, brauchen wir angesichts der hohen Zahlen noch mehr Prävention“, fordert Burckhardt. Allerdings dürfe man nicht nur auf Eigenverantwortung setzen. Deshalb müssten in Sachen Bauunfälle die staatlichen Arbeitsschutzkontrollen in den Bundesländern deutlich verstärkt werden. „Notwendig ist ein höherer Kontrolldruck für die Betriebe, die es mit der Arbeitssicherheit nicht wirklich ernst nehmen“, so Burckhardt.

Technische Lösungen wie die Absturzsicherung am Gerüst haben Vorrang vor der PSA.
Technische Lösungen wie die Absturzsicherung am Gerüst haben Vorrang vor der PSA.

Sie interessieren sich für das Thema Arbeitssicherheit? Dann lesen Sie unseren Artikel über die ab August 2023 geltende Schulungspflicht für PU-Bauschaum.

Knut Köstergarten

Schreibt seit 20 Jahren für das Printmagazin „das dach“ und leitet dort und bei Dach\Live heute die Redaktion. Der ausgebildete Journalist hat sich in vielen Themenfeldern ausgetobt und sich inzwischen auf Dachhandwerk spezialisiert. Seine Leidenschaft sind Interviews, denn ihn interessiert die persönliche Sicht auf die Dinge, gerade auch von Unternehmern.

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