Schwarzes DACH LIVE Logo, wobei das A und der Schrägstrich im Wort rot hervorgehoben sind.
Acht Personen in schwarzen Jacken und Arbeitshosen stehen und posieren auf einem großen Dach mit historischen Backsteinbauten und Gerüsten im Hintergrund. Bei der Gruppe scheint es sich um Bauarbeiter oder Dachdecker zu handeln.

Dach-Baustellen

Zwei Oberlichtfenster mit geschlossenen Außenjalousien sind auf einem dunklen, mit Ziegeln gedeckten Schrägdach installiert, und im Hintergrund sind grüne Bäume zu sehen.

Produkte

Zwei Arbeiter in grünen Hemden und Handschuhen verlegen unter strahlend blauem Himmel orangefarbene Dachziegel auf einem Schrägdach, wobei einer dem anderen einen Ziegel reicht. In der Nähe sind Stapel von Ziegeln zu sehen.

Dachdeckerbetrieb

Ein Arbeiter mit rotem Schutzhelm und Klettergurt kniet auf einem Dach, hält ein Telefon in der Hand und überprüft die an einem Kabel befestigte Sicherheitsausrüstung.

Arbeitssicherheit

Eine lächelnde Person in einem weißen Hemd und grauen Handschuhen verlegt Dachziegel auf einem schrägen Dach, wobei im Hintergrund Sicherheitsnetze und Gebäude zu sehen sind.

Dachdecker werden

Zwei Männer stehen in einem Lagerhaus und schauen gemeinsam auf eine Tafel. Ein Mann trägt ein rotes Hemd und hält ein aufgerolltes Papier, der andere trägt ein schwarzes Hemd. Im Hintergrund sind große Regale mit Säcken oder Behältern zu sehen.

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Eine Gruppe von Frauen in traditioneller Handwerkskleidung posiert gemeinsam vor einer Reihe von Schaufensterpuppen mit Arbeitskleidung.

10 Jahre Dachdeckermädelz: Netzwerk für echte Verbindungen

Konstanze Kulus

23. Juni 2026

Eine kleine Gruppe, die Großes startet: Vor zehn Jahren haben sich zehn Frauen aus einer Facebook-Gruppe fürs Bauen zusammengetan und sich auf WhatsApp verbunden. Sie sind seitdem zu einem rund 200 Personen starken Netzwerk gewachsen – bekannt unter dem Namen Dachdeckermädelz. Die Dachdeckerinnen wollen sich unter Gleichgesinnten austauschen und auf kurzem Dienstweg Unterstützung finden, das Dachdeckerhandwerk und dessen Frauen sichtbar machen und sich gegenseitig Rückhalt geben, wenn er gebraucht wird.

Frauennetzwerk ist schnell gewachsen

„Wir sind wahnsinnig schnell gewachsen“, erzählt Victoria „Vicky“ Weber, Dachdeckermeisterin und Dachdeckermädel der ersten Stunde. „Erst waren wir zehn, dann kannte eine noch eine andere und sie wiederum noch eine andere und so weiter. In der Anfangszeit haben wir über 1000 Nachrichten pro Tag in unserer WhatsApp-Gruppe ausgetauscht.“ Schon bald war klar: Das Interesse ist riesig – es wird Zeit, das Netzwerk professioneller zu organisieren.

Dachdeckermeisterin Victoria Weber im Portrait

Orgateam plant Treffen und Events

Ein siebenköpfiges Orgateam engagiert sich seitdem ehrenamtlich, kümmert sich um die Einbindung von neuen Auszubildenden, Helferinnen, Gesellinnen und Meisterinnen, die angestellt sind oder einen eigenen Betrieb führen, aus ganz Deutschland. Das Team plant Treffen, Messebesuche und Events, hält den Kontakt zur Industrie und entwickelt Ideen, wie Frauen im Handwerk weiter gestärkt werden und das Dachdeckerhandwerk generell mehr Sichtbarkeit bekommen kann.

„Das fiel auf, als wir 2018 erstmals mit unserem Logo und in Zunft als große Frauengruppe durch die Kölner Messehallen gelaufen sind.“

Für Aufmerksamkeit gesorgt

„2018 sind wir zum ersten Mal gemeinsam auf der Messe Dach+Holz in Köln aufgetreten. Wir hatten uns extra Shirts mit ‚Uschi‘, unserem Logo, bedrucken lassen und trugen alle Zunft“, erinnert sich Vicky Weber. „Das fiel auf, als wir damit als große Frauengruppe durch die Messehallen gelaufen sind.“ Es war ein Novum, dass sich Frauen im Dachdeckerhandwerk selbstbewusst und gemeinsam öffentlich zeigten in diesem männerdominierten Gewerk.

Männliche und weibliche Kollegen wurden ebenso aufmerksam wie die Industrie, die seitdem die Dachdeckermädelz zu Produktvorstellungen und Schulungen einlädt, oder der Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH), bei dem sich das Frauennetzwerk auf dem Dachdeckertag vorstellen durfte. Trotzdem sagt Vicky Weber: „Die Reaktionen auf uns und grundsätzlich auf Frauen im Dachhandwerk sind unterschiedlich. Man traut uns oft nicht dasselbe zu wie unseren männlichen Kollegen, obwohl wir eigentlich oft genug den Gegenbeweis erbracht haben.“ Umso wichtiger sei es, immer wieder sichtbar zu sein und den richtigen Eindruck zu hinterlassen.

Eine große Gruppe von Frauen und einigen Männern posiert in Arbeitskleidung in einer Werkhalle vor Regalen und Werbeschildern.
Die Dachdeckermädelz feiern ihr erstes Sommerfest auf dem Gelände des Betriebs Gebrüder Rückert in Gosheim.

Vorbildfunktion für den Nachwuchs

Das gilt insbesondere im Bereich der Ausbildung, der den Dachdeckermädelz ein großes Anliegen ist. Denn die Zahlen belegen es: Noch immer sind Auszubildende im Dachdeckerhandwerk vornehmlich männlich, nur rund vier Prozent beträgt der Frauenanteil bei den Nachwuchskräften – wenn auch mit steigender Tendenz. „Wir möchten, dass Mädels Bock auf den Job haben. Ja, wir haben zwar eine andere Statur, trotzdem machen wir die Arbeit auf unsere Art genauso gut. Im Team auf der Baustelle ist gemeinsam alles gut umsetzbar“, erläutert Vicky Weber.

Die Dachdeckermädelz sind inzwischen Vorbilder für junge Frauen, die den Beruf ergreifen wollen. „So werden wir oft so etwas wie ihre Ausbildungspaten, die sie bis zum Abschluss begleiten. Die Funktion als Mentorin ist besonders wertvoll“, erklärt Vicky Weber. Dass außerdem Frauen mit hochrangigen Positionen in Betrieben und im Ehrenamt Teil der Dachdeckermädelz sind, hat ebenfalls Vorbildcharakter. „Dazu gehört unter anderem eine stellvertretende Landesinnungsmeisterin als erste Frau bundesweit, ebenso engagieren sich bei uns eine Obermeisterin, eine Lehrlingswartin und weitere Frauen in hochrangigen Ehrenämtern. Das ist toll zu sehen, dass Frauen diese Möglichkeiten inzwischen haben und sie auch wahrnehmen.“

Dachdeckermeisterin Janine Neureuther: Ein Vorbild im Handwerk

Miteinander füreinander

Im beruflichen Alltag ist das Netzwerk auch anderen Frauen immer wieder eine große Stütze: „Wir stehen füreinander ein, egal was ist. Hier geht es um echte Verbindungen“, berichtet Vicky Weber. So gab es zum Beispiel einmal den Fall, dass in Süddeutschland bestimmtes Material nicht verfügbar war, was aber dringend für ein Projekt gebraucht wurde. Eine Frau aus Westdeutschland hatte noch Lagerbestände, mit denen sie schnell und unkompliziert aushelfen konnte. Auch den Wechsel einer Azubine von einem Ausbildungsbetrieb zu einem anderen war dank der unbürokratischen Zusammenarbeit unter den Frauen schnell bewältigt.

Einige der Frauen haben im Netzwerk auch schon kurzfristige Unterstützung für die Arbeit auf der Baustelle oder Expertenwissen zum Beispiel zu regionalen Schwerpunkten gefunden. Ein schöner Nebeneffekt: Viele Frauen haben gewinnbringende Geschäftsverbindungen und neue Freundschaften geknüpft. Auch das wird durch die Dachdeckermädelz gefördert: „Wir haben inzwischen zwei Sommerfeste organisiert und planen im nächsten Jahr eine Feier zu unserem Jubiläum“, berichtet Vicky Weber. Abseits dessen treffen sich die Frauen auch privat, wenn es die Zeit und/oder die räumliche Distanz zulassen.

Auch in Zukunft „hoch die Dachdeckerkunst!“

„Es macht uns sehr stolz, dass die Dachdeckermädelz schon zehn Jahre existieren und inzwischen mit etwa 200 Mädels richtig aktiv und auch bekannt sind“, sagt Vicky Weber. So soll es weitergehen: Auch in Zukunft können sich alle Frauen und Mädels anschließen, die sich vernetzen, austauschen und die Dachdeckerkunst voranbringen möchten, ob Quereinsteigerin oder aus dem Familienbetrieb!

Konstanze Kulus

Konstanze Kulus ist geschäftsführende Gesellschafterin der saalto Agentur und Redaktion GmbH. Hier berät und unterstützt sie Unternehmen verschiedener Branchen in der internen und externen Kommunikation, etwa mit der Erstellung von Presseinformationen, Fachbeiträgen oder Interviews.

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