Schwarzes DACH LIVE Logo, wobei das A und der Schrägstrich im Wort rot hervorgehoben sind.
Acht Personen in schwarzen Jacken und Arbeitshosen stehen und posieren auf einem großen Dach mit historischen Backsteinbauten und Gerüsten im Hintergrund. Bei der Gruppe scheint es sich um Bauarbeiter oder Dachdecker zu handeln.

Dach-Baustellen

Zwei Oberlichtfenster mit geschlossenen Außenjalousien sind auf einem dunklen, mit Ziegeln gedeckten Schrägdach installiert, und im Hintergrund sind grüne Bäume zu sehen.

Produkte

Zwei Arbeiter in grünen Hemden und Handschuhen verlegen unter strahlend blauem Himmel orangefarbene Dachziegel auf einem Schrägdach, wobei einer dem anderen einen Ziegel reicht. In der Nähe sind Stapel von Ziegeln zu sehen.

Dachdeckerbetrieb

Ein Arbeiter mit rotem Schutzhelm und Klettergurt kniet auf einem Dach, hält ein Telefon in der Hand und überprüft die an einem Kabel befestigte Sicherheitsausrüstung.

Arbeitssicherheit

Eine lächelnde Person in einem weißen Hemd und grauen Handschuhen verlegt Dachziegel auf einem schrägen Dach, wobei im Hintergrund Sicherheitsnetze und Gebäude zu sehen sind.

Dachdecker werden

Zwei Männer stehen in einem Lagerhaus und schauen gemeinsam auf eine Tafel. Ein Mann trägt ein rotes Hemd und hält ein aufgerolltes Papier, der andere trägt ein schwarzes Hemd. Im Hintergrund sind große Regale mit Säcken oder Behältern zu sehen.

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Frau mit grauem T-Shirt sitzt auf einem Container voller Ziegelbruchstücke und lächelt in die Kamera.

Dachdeckerin Joyce Block: auf den Spuren des Vaters

Michael Podschadel

5. Oktober 2021

Joyce Block will es wissen. Sie lernt beim eigenen Vater Dachdeckerin. Hier erzählt die 17-Jährige, warum sie die maximal hohen Anforderungen braucht und wie sie nach einem Praktikum in einer Arztpraxis doch aufs Dach gefunden hat.

Trotz eines Anstiegs von über zwölf Prozent ist die Zahl der jungen Frauen, die sich in diesem Jahr zur Dachdeckerin ausbilden, deutschlandweit weiterhin sehr gering. Joyce Block ist eine der gerade einmal 166 weiblichen Auszubildenden im Dachdeckerhandwerk. „Am Ende des Tages zu sehen, was man geschafft hat, ist schon eine tolle Sache“, meint die 17-Jährige, wenn man sie fragt, was ihr am Dachhandwerk gefällt.

Bild von Joyce Block mit ihrem Vater

Vater und Tochter repräsentieren den Betrieb gemeinsam auf Instagram. (alle Fotos: Dachwunder)

Direkter Austausch mit dem Vater als Lehrmeister

Als Auszubildende im zweiten Lehrjahr erlernt sie das Handwerk von ihrem Vater, dem Dachdeckermeister Jens Block, in dessen Paderborner Betrieb Dachwunder, Mitglied der DEG Dach-Fassade-Holz eG. Mit Ehefrau und Mutter Sharlyn im Büro ist die Dachdeckerei in Paderborn ein echter Familienbetrieb. „Ich finde das super. Die Erwartungen meines Vaters an mich sind höher als an die anderen Mitarbeiter“, meint Joyce Block. „Aber dafür können wir uns auch sehr direkt und ungehemmt austauschen.“ Anderswo als im Betrieb ihres Vaters zu arbeiten, den wir bei DACH\LIVE bereits vorgestellt haben, kann sich die angehende Handwerkerin nicht vorstellen.

Praktikum als Schlüssel zur Berufswahl

Früher wollte Joyce Block eigentlich Medizinerin werden. „Ich habe sogar ein Praktikum in einer Arztpraxis gemacht, aber dann schnell gemerkt, dass das nichts für mich ist“, erklärt die junge Frau. Was folgte, war ein Praktikum im Betrieb des Vaters. „Er hat mir oft von seinem Beruf berichtet und erzählt, warum er gerne Dachdecker ist. Das hat mich schon neugierig gemacht.“

Bild von Dachdeckerin Joyce Block beim Bearbeiten einer Schieferplatte

Lernt auf der Baustelle auch mit Schiefer zu arbeiten: Dachdecker-Auszubildende Joyce Block.

Schon in den Ferien auf dem Dach gejobbt

Der Einblick in den Familienbetrieb gefiel Joyce Block so gut, dass sie in den Ferien regelmäßig beim Vater jobbte. Mit 15 stand fest, dass sie Dachdeckerin und nichts anderes werden wollte. „Die frische Luft, die tolle Aussicht, das hat mich sofort angesprochen“, berichtet die heute 17-Jährige. Normalität ist das für junge Frauen ihrer Generation bislang (noch) nicht. Auf der Berufsschule ist sie die einzige Auszubildende unter den männlichen Klassenkameraden.

Berufswunsch Dachdeckerin erzeugte ein geteiltes Echo

Als Joyce Block den Eltern von ihrem Berufswunsch erzählte, war Vater Jens begeistert – Mutter Sharlyn zeigte sich eher überrascht. Sie riet ihrer Tochter, sich das Berufsziel gut zu überlegen. Immerhin ist das Dachhandwerk auch bei modernsten Arbeitstechniken oft körperlich anstrengend. Auch die beste Freundin konnte sich ihre ehemalige Schulkollegin Joyce zunächst nicht als Dachdeckerin vorstellen. „Sie hielt mich für zu schüchtern, aber bei der Arbeit bin ich eher anspruchsvoll und nicht zurückhaltend.“

Bild von Dachdeckerin Joyce Block

Kommt mit den körperlichen Anforderungen auf dem Dach gut zurecht: Joyce Block.

Joyce Blocks Entschluss stand fest, trotz leichter Bedenken zu Beginn ihrer Ausbildung. „Am Anfang hatte ich schon Zweifel, ob ich die körperliche Anstrengung schaffe.“ Doch Vater Jens, der ehrenamtlich als Meisterausbilder tätig ist, beruhigte seine Tochter und mahnte zur Geduld. Mit Erfolg: „Heute kann ich eine Schwarzbahn problemlos übers Dach tragen, das fällt mir nicht mehr schwer“, berichtet Joyce Block stolz.

Vorbild ist Miss Handwerk Sonja Theisen

Der Anteil der Dachdeckerinnen im Gewerk liegt immer noch bei weit unter drei Prozent. Das merkt Joyce Block auch im Alltag: „Aufgezogen werde ich von Kollegen eigentlich nicht, da gibt es eher Lob und Bestärkung dafür, dass ich mich in diese Männerdomäne vorwage. Frauen treffe ich auf dem Bau aber leider fast nie.“

Zu den seltenen Ausnahmen zählt eine Zusammenarbeit mit Dachdeckermeisterin Sonja Theisen aus Trier. Die ehemalige Miss Handwerk begeistert und inspiriert als Sunny Roofer auf Instagram zahlreiche junge Dachdeckerinnen und ist eine gefragte Botschafterin des Handwerks. „Sie ist wirklich ein Vorbild, so als junge Dachdeckermeisterin unter den ganzen männlichen Kollegen“, findet Joyce Block, die selbst nach der Ausbildung zur Meisterschule will und ebenfalls auf Instagram präsent ist.

Bild von Dachdeckerin Joyce Block

Die angehende Dachdeckerin genießt den Blick auf den weiten Himmel, wenn es die Arbeit erlaubt.

Später einmal den Familienbetrieb übernehmen

Das größte Vorbild bleibt für Joyce Block aber der Vater. „Er hat mich wirklich für das Handwerk begeistert.“ Der Familienbetrieb gefällt der angehenden Dachdeckerin so gut, dass sie ihn später einmal übernehmen möchte. Auf die Frage, wann ein Arbeitstag mal nicht perfekt gelaufen ist, antwortet die ambitionierte Handwerkerin: „Wenn ich denke, dass ich die Arbeit noch ein bisschen präziser und sorgfältiger hätte erledigen können.“

Im Dachhandwerk genau an der richtigen Stelle

Bild von Dachdeckerin Joyce Block auf einem Flachdach

Schweißarbeiten auf dem Flachdach: Joyce Block ist ehrgeizig und will alles lernen.

Überhaupt hat die Auszubildende einen hohen Anspruch an sich. „Ich habe schon das Gefühl, mich als Frau im Handwerk stärker beweisen zu müssen“, meint sie. Bis zur Übernahme des Familienbetriebs hat die junge Dachdeckerin noch ein paar Lehrjahre vor sich. Im August hat sie ihr zweites Ausbildungsjahr begonnen. Über eines ist sich Joyce Block aber heute schon im Klaren: „Ich kann mir absolut keine Alternative zum Dachhandwerk vorstellen. Hier bin ich richtig!“

Sie interessieren sich für das Thema Frauen im Dachhandwerk? Dann lesen Sie unsere besondere Story, in der Gesellin Larissa Würtenberger offen über ihren inneren Leistungsdruck spricht.

Michael Podschadel

Der graduierte Komparatist war fast ein Jahrzehnt in der Pressearbeit tätig, bevor er sich als Texter und Redakteur selbstständig gemacht hat. Zu seinen inhaltlichen Schwerpunkten zählen Arbeitssicherheit und Technik. Richtig spannend wird es für ihn dann, wenn Menschen und ihre persönlichen Erfahrungen im Zentrum von Reportagen oder Hintergrundberichten stehen.

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