Acht Personen in schwarzen Jacken und Arbeitshosen stehen und posieren auf einem großen Dach mit historischen Backsteinbauten und Gerüsten im Hintergrund. Bei der Gruppe scheint es sich um Bauarbeiter oder Dachdecker zu handeln.

Dach-Baustellen

Zwei Oberlichtfenster mit geschlossenen Außenjalousien sind auf einem dunklen, mit Ziegeln gedeckten Schrägdach installiert, und im Hintergrund sind grüne Bäume zu sehen.

Produkte

Zwei Arbeiter in grünen Hemden und Handschuhen verlegen unter strahlend blauem Himmel orangefarbene Dachziegel auf einem Schrägdach, wobei einer dem anderen einen Ziegel reicht. In der Nähe sind Stapel von Ziegeln zu sehen.

Dachdeckerbetrieb

Ein Arbeiter mit rotem Schutzhelm und Klettergurt kniet auf einem Dach, hält ein Telefon in der Hand und überprüft die an einem Kabel befestigte Sicherheitsausrüstung.

Arbeitssicherheit

Eine lächelnde Person in einem weißen Hemd und grauen Handschuhen verlegt Dachziegel auf einem schrägen Dach, wobei im Hintergrund Sicherheitsnetze und Gebäude zu sehen sind.

Dachdecker werden

Zwei Männer stehen in einem Lagerhaus und schauen gemeinsam auf eine Tafel. Ein Mann trägt ein rotes Hemd und hält ein aufgerolltes Papier, der andere trägt ein schwarzes Hemd. Im Hintergrund sind große Regale mit Säcken oder Behältern zu sehen.

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Bild von VELUX Banner
Ein schwarzes Auto mit der Aufschrift "Dachdecker Dein Beruf" steht vor einem Gebäude, dahinter stehen zwei lächelnde Personen.

Hessendach auf Kurs: Landesinnung gewinnt neue Mitglieder

Harald Friedrich

26. September 2024

In den 1970er Jahren gab es den Slogan einer damals noch regierenden Partei im schönen Hessenland: „Hessen vorn“. Sollte das ein Zeichen sein für das, was sich unter „Hessendach“ entwickeln würde? Letzteres kann sich durchaus sehen lassen: Der Landesverband des Dachdeckerhandwerks Hessen hat die Zahl seiner Mitgliedsbetriebe in den 18 Innungen in einem Senkrechtstart binnen der letzten fünf Jahre von 510 auf über 600 gesteigert.

Reformierte Beitragsgestaltung

Geschäftsführer Norbert Hain sieht ein Zugpferd für den rasanten Mitgliederzuwachs in einer reformierten Beitragsgestaltung. „Wir haben die Struktur der Beiträge so verändert, dass zwar der Grundbeitrag moderat angehoben wurde, gleichzeitig aber der Lohnsummenanteil nach unten abgestuft wurde“, erklärt Hain. Das hat dazu geführt, dass gerade größere Betriebe, die sonst aufgrund der hohen Lohnsummen nicht gerade die Stamm-Innungsmitglieder waren, den Innungen treu geblieben oder sogar neu hinzugekommen sind in die große Gemeinschaft von Hessendach.

Bild von Geschäftsführer Norbert Hain
Geschäftsführer Norbert Hain sieht gute Perspektiven für die Landesinnung Hessen. (Foto und Titelbild: Friedrich)

Schnuppermitgliedschaft macht Appetit auf mehr

„Außerdem bieten wir eine Schnuppermitgliedschaft bei Innungsbeitritten mitten im Jahr“, verrät Hain. „Da können potenzielle Neumitglieder einfach mal testen – und selbst erfahren – wie viele Vorteile die Mitgliedschaft bietet.“ Und die Vorteile scheinen zu überzeugen. Denn von den Innungen bekommt Norbert Hain volle Unterstützung für das Konzept: „Aktiv werden Neue angefüttert mit Zusatzinformationen. Das macht Appetit auf dauerhafte Mitgliedschaft.“

Bei Hessendach tendiert der Altersdurchschnitt nach unten

Auch wenn der Trend zur papierlosen Büroorganisation geht: Mitgliederrundschreiben gibt es bei Hessendach nach wie vor in gedruckter Form, weil die Informationen innungsintern bleiben sollen. „Die Hemmschwelle, eine digitale Information mal schnell an Kollegen weiterzuleiten, die noch nicht in der Innung sind, ist geringer als eine auf Papier gedruckte Info zu kopieren und weiterzugeben“, so die Erfahrung von Norbert Hain. Und der Erfolg scheint ihm recht zu geben. Dabei setzt Hessendach nicht allein auf die gute alte Tradition, immer schon Innungsmitglied zu sein. Erfreulicherweise ist der Trend zur Mitgliedschaft – auch wegen der exklusiven Leistungen und Rahmenabkommen – auch bei der nachrückenden Generation von Betriebsinhabern deutlich zu verzeichnen. Norbert Hain freut sich: „Der Altersdurchschnitt bei den Innungen und beim Ehrenamt tendiert deutlich nach unten.“

Bild von Auszubildenden
Metallkurs am Ausbildungszentrum der hessischen Dachdecker in Weilburg. (Foto: LIV Hessen)

Rund 800 Auszubildende

Optimistisch in die Zukunft blicken kann das Dachdeckerhandwerk Hessens auch deshalb, weil derzeit rund 800 Newcomer (und zunehmend Newcomerinnen) in den landesweit sechs Bildungszentren in der überbetrieblichen Ausbildung auf den Aufstieg auf der Karriereleiter nach ganz oben vorbereitet werden. Damit hat dieses Gewerk Platz 7 unter den stärksten Ausbildungsberufen des Handwerks Hessens erklettert. Kein Grund, sich auf Lorbeeren auszuruhen. Für Norbert Hain geht weiterhin Qualität vor Quantität: „Wir sind zwar stolz auf eine relativ niedrige Quote von Nicht-Bestehern bei den Gesellenprüfungen, aber wir wollen noch besser werden.“ Respekt für diesen hohen Anspruch, denn schon jetzt bestehen mehr als 4 von 5 die Gesellenprüfung.

Bild von Auszubildenden vor Schiefermodell
Auszubildende aus dem dritten Lehrjahr im Schieferkurs. (Foto: LIV Hessen)

Meisterbrief wird weiter angestrebt

Ebenso ist die Verlängerung der Karriereleiter nach ganz oben im Land des Ebbelwoi (für alle Nichthessen: das ist der Apfelwein) ein ehrgeiziger, aber in Hessen durchaus beliebter Weg. Jedes Jahr halten insgesamt 50 bis 60 engagierte Dach- und Wand-Fachleute frisch den Meisterbrief in den Händen.

BIld von Auszubildenden im dritten Lehr
Auszubildende aus Marburg üben an den Dachmodellen. (Foto: LIV Hessen)

Grundstein wurde 1948 gelegt

Der Grundstein für den Erfolg wurde 1948 mit Gründung des Landesverbands gelegt. Heute ist am Verbandssitz in Weilburg an der Lahn das Dachdeckerzentrum mit dem Landesinnungsverband des Dachdeckerhandwerks Hessen, dem Berufsbildungswerk des Hessischen Dachdeckerhandwerks e. V., dem Berufsförderungswerk des Hessischen Dachdeckerhandwerks e. V. und der Hessendach®- GmbH als Servicegesellschaft angesiedelt.

Neue Ausbildungshalle in Planung

Kernstück ist das architektonisch eigenwillige, aber durchaus eindeutig auf das Thema Dach hinweisende Hauptgebäude. Ergänzt wird das Ensemble bis jetzt durch zwei Ausbildungshallen und ein Nebengebäude. Denn schon ist eine weitere Ausbildungshalle in der Planung. „Da wir den ersten Bauabschnitt aus eigenen Kräften und ohne Fördermittel gestemmt haben, konnten wir planen und bauen, wie wir es wollten und es die regionalen Baugenehmigungen erlaubten“, freut sich Geschäftsführer Hain.

Bild vom Hessendach Verbandssitz in Weilburg
Der Landesverband Hessendach hat alle Gebäude ohne Fördermittel finanziert, eine weitere Ausbildungshalle ist in Planung. (Foto: Friedrich)

Landesgeschäftsführer statt Betriebsgründer

Eigentlich wollte der Dachdeckermeister Norbert Hain, Sohn und Enkel von Meistern dieses Faches, sich gerade selbstständig machen, als er im Fachmagazin DDH die Personalanzeige las, dass der hessische Landesverband einen Geschäftsführer sucht. Das war 1998, als die hessischen Dachdecker als Verband gerade ihren 50. Geburtstag feierten. Der damals 30-jährige Hain war damals als neuer Landesgeschäftsführer mit einem respektablen Abstand von zehn Jahren jüngster Teilnehmer an der Hauptvorstandssitzung des Zentralverbands des Deutschen Dachdeckerhandwerks. Heute, 26 Jahre später, ist Norbert Hain der Kopf von insgesamt acht MitarbeiterInnen im Weilburger Hessendach-Team.

Bild von Leon Hain vor dem Hessendach Dachmobil
Leon Hain reist mit dem Dachmobil durch Hessen für die Nachwuchswerbung. (Foto: Friedrich)

Dachmobil von Hessendach

Das Auf-das-Dach-gehen-Gen ist eindeutig in der Familie Hain verbreitet. Jüngster Ausbilder im Team und zugleich mobiler Jugendbotschafter ist sein Sohn Leon, der seit 2023 mit dem Dachmobil von Hessendach und dem Versprechen „Beruf mit den besten Aussichten“ landesweit unterwegs ist zu Innungsveranstaltungen, Berufsinfotagen und Schulen. Besonders erfreulich: Die Anfragen von Schulen nehmen deutlich zu. Auf Augenhöhe sucht und findet er den Kontakt zum potenziellen Dachdeckernachwuchs von morgen. Mit seinen 22 Jahren hat Leon Hain bereits die Dachdeckerausbildung und den Meistertitel erarbeitet. Er war darüber hinaus Landessieger in Hessen, zweiter Bundessieger unter den Jungdachdeckern und erfolgreicher Teilnehmer an den Weltmeisterschaften 2022 in St. Gallen.

„Gute Tipps und Erfahrungswerte zum Dachmobil kamen vom Landesverband Baden-Württemberg“, bedankt sich Leon Hain – auch wenn die hessische Ausgabe der „fahrenden Nachwuchswerbung“ mit einem Anhänger, gezogen von einem Ford PickUp, eine Nummer kleiner ausfällt als der baden-württembergische Dodge-Truck mit Sattelauflieger und der dortigen Kampagne Oben ist das neue Vorn.

Bild von Absolventen der PV-Manager-Schulung
Viele Dachdecker nahmen an der Weiterbildung zum PV-Manager teil. (Foto: LIV Hessen)

Bereich Solartechnik für Dachdecker besetzen

Und wohin geht die Zukunft des hessischen Dachdeckerhandwerks? „Auch wenn wir in Hessen – noch – keine Solarpflicht bei Neubauten und umfangreichen Sanierungen haben: unser Ziel ist es, den Bereich Solartechnik für unser Gewerk zu besetzen“, ist die deutliche Ansage von Norbert Hain. So sind Hessens Dachdecker gemeinsam mit dem Landesinnungsverband Rheinland-Pfalz aktuell engagiert, die Kooperationsvereinbarung mit dem Fachverband Elektro Hessen/Rheinland-Pfalz (FEHR) mit Leben zu füllen. „Unser Engagement im Bereich Photovoltaik gilt sowohl für die Ausbildung als auch für die Weiterqualifikation unserer Mitgliedsbetriebe.“

Auf die Zukunft bereitet sich Norbert Hain mit seinem Team also rechtzeitig vor. Hessen vorn? Der alte Wahlslogan aus den 1970er Jahren bekommt eine ganz neue Bedeutung.

Sie interessieren sich für Themen aus den Verbänden? Dann lesen Sie unseren Bericht über drei Dachdeckermeister aus Nordrhein, die für einen guten Zweck 770 Kilometer radelten.

Harald Friedrich

In den 80er Jahren kam der ausgebildete Werbekaufmann und Texter zum Journalismus. Seit dieser Zeit unterstützt er zahlreiche Dachdecker-Landesverbände bei ihrer Öffentlichkeitsarbeit durch Vor-, Nach- und Querdenken. So hob er das Verbandsmagazin des Bayerischen Dachdeckerhandwerks mit aus der Taufe und erstellt bis heute fünf Ausgaben pro Jahr komplett. Er schreibt zudem für Fachmedien im Bereich Handwerk, darunter seit Jahren auch „Das DACH“. Sein Motto: „Schreiben ist nichts weiter als eine permanente Neuordnung von 26 Buchstaben."

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