Acht Personen in schwarzen Jacken und Arbeitshosen stehen und posieren auf einem großen Dach mit historischen Backsteinbauten und Gerüsten im Hintergrund. Bei der Gruppe scheint es sich um Bauarbeiter oder Dachdecker zu handeln.

Dach-Baustellen

Zwei Oberlichtfenster mit geschlossenen Außenjalousien sind auf einem dunklen, mit Ziegeln gedeckten Schrägdach installiert, und im Hintergrund sind grüne Bäume zu sehen.

Produkte

Zwei Arbeiter in grünen Hemden und Handschuhen verlegen unter strahlend blauem Himmel orangefarbene Dachziegel auf einem Schrägdach, wobei einer dem anderen einen Ziegel reicht. In der Nähe sind Stapel von Ziegeln zu sehen.

Dachdeckerbetrieb

Ein Arbeiter mit rotem Schutzhelm und Klettergurt kniet auf einem Dach, hält ein Telefon in der Hand und überprüft die an einem Kabel befestigte Sicherheitsausrüstung.

Arbeitssicherheit

Eine lächelnde Person in einem weißen Hemd und grauen Handschuhen verlegt Dachziegel auf einem schrägen Dach, wobei im Hintergrund Sicherheitsnetze und Gebäude zu sehen sind.

Dachdecker werden

Zwei Männer stehen in einem Lagerhaus und schauen gemeinsam auf eine Tafel. Ein Mann trägt ein rotes Hemd und hält ein aufgerolltes Papier, der andere trägt ein schwarzes Hemd. Im Hintergrund sind große Regale mit Säcken oder Behältern zu sehen.

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Eine Gruppe von jungen Erwachsenen in festlicher Kleidung posiert vor einer bunten Bühne mit motivierendem Text im Hintergrund.

Erfolgsmodell: Lehrlingswart betreut Dachdecker-Azubis

Knut Köstergarten

22. Mai 2025

In den Vorständen der Dachdeckerinnungen ist das Amt Lehrlingswart oft eines ohne echte Aufgabe. Da wird mal die Beteiligung an einer Ausbildungsmesse organisiert, aber sonst? „Das war überhaupt nicht richtig definiert und festgelegt“, erläutert Christian Geschke, technischer Leiter des Bildungszentrums der baden-württembergischen Dachdecker in Karlsruhe. Da stellte er sich gemeinsam mit Tabea Lirsch, Referentin für Berufsbildung beim Landesinnungsverband, vor einigen Jahren die Frage, wie sich das ändern ließe. Und inzwischen sind die Lehrlingswarte der zehn Innungen in Baden-Württemberg neben dem jeweiligen Betrieb der nächste und wichtigste Ansprechpartner für „ihre“ Auszubildenden.

Azubis brauchen Austausch und Ansprechpartner

Die Idee dahinter: „Der Austausch ist für die Azubis so wichtig. Dass sie wissen, da gibt es einen Ansprechpartner, mit dem ich über alle Probleme, Herausforderungen und Themen rund um die Arbeit im Betrieb sowie das Lernen in der Berufsschule und überbetrieblich im Bildungszentrum reden kann“, berichtet Geschke. Dabei entsteht eine Win-Win-Situation, denn nicht allein die Azubis profitieren, sondern auch der einzelne Lehrlingswart. „Sie werden ganz anders gebraucht als früher“, erläutert Geschke. Und zudem profitieren im Zweifel auch die Betriebe, wenn etwa ein Ausbildungsabbruch oder ein Scheitern an der Gesellenprüfung verhindert werden kann.

Eine große Gruppe von Menschen steht draußen auf einer Straße und blickt in die Kamera. Im Hintergrund sind Autos und Gebäude zu sehen.
Alle neuen Lehrlinge in Baden-Württemberg auf einem Bild. Vorne zentral, jeweils im lila Shirt unter der Kluft, sind die stellvertretende Landesinnungsmeisterin, Janine Neureuther, und der technische Leiter des Bildungszentrums in Karlsruhe, Christian Geschke, zu sehen. (Alle Fotos: LIV Baden-Württemberg)

Zu hohe Abbrecherquote

Geschke spricht den Hintergrund offen an. „Wir hatten etwa 2023/24 eine Abbrecherzahl von 73 Azubis über die drei Lehrjahre hinweg, was zu hoch ist. Jetzt schreiben wir alle an und wollen die Gründe erfahren. Es geht auf allen Ebenen darum, aktiv auf die jungen Menschen zuzugehen.“ Das Engagement der Lehrlingswarte als Ansprechpartner ist ein Baustein dafür. Sie sind seit fünf Jahren dabei, wenn alle neuen Auszubildenden auf einer Feier in Karlsruhe begrüßt werden.

Mehrere Personen arbeiten in einer Werkstatt an Werkbänken, tragen Arbeitskleidung und konzentrieren sich auf handwerkliche Tätigkeiten.
Azubis beim Arbeiten in der überbetrieblichen Ausbildung in Karlsruhe.

Lehrlingswart stellt sich persönlich vor

Danach gibt es eine erste Gesprächsrunde, bei dem sich der Lehrlingswart persönlich vorstellt, seine Aufgabe als Ansprechpartner für alle Themen erläutert und natürlich hinzufügt, dass jedes Anliegen eines Azubis vertraulich behandelt wird. „Sie verteilen auch gleich Visitenkarten mit einem QR-Code für das Smartphone für die Kontaktdaten“, so Geschke. Jeder Lehrling erhält zudem eine Schultüte zu Beginn dieses ersten Berufsschulblocks in Karlsruhe, mit dem Logo der Nachwuchskampagne „Oben ist das neue Vorn“. Als Giveaway ein Bit-Halter mit Aufsätzen für Schrauben, ein kleines, hilfreiches Tool. Sie bekommen zudem ein Ausbildungsheft, eine Art Knigge mit den Rechten und Pflichten.

Mehrere Werkzeuge, ein roter Stift, ein Schraubenzieher-Set und eine geöffnete lila Schachtel auf einem grauen Tisch liegend.
Die neuen Azubis erhalten eine Schultüte mit einem Bit-Halter als Giveaway.

Gemeinsamer Ausflugstag mit Azubis

Ein Jahr nach dem Start macht jeder Lehrlingswart einen Ausflugstag mit seinen Azubis, etwa in einen Hochseilgarten oder als Weiterbildung bei einem Industriepartner, die das Ganze gerne über Sponsoring unterstützen. „Der Lehrlingswart soll ein Kümmerer sein, die jungen Menschen sollen sich angenommen fühlen als Teil der Dachdeckerfamilie. Es geht um Wertschätzung von Anfang bis Ende der Ausbildung“, stellt Geschke klar. Einer der Lehrlingswarte lädt seine Azubis sogar an Samstagen zu einem zusätzlichen Übungstag in seinen Betrieb ein, wenn es praktische Defizite aufzuholen gibt.

Bildungszentrum steht Kritik und Anregungen offen gegenüber

Läuft etwas nicht gut im Bildungszentrum, können die Lehrlingswarte direkt mit Geschke reden. „Für uns sind die Betriebe und die Lehrlinge unsere Kunden, die wir zufrieden stellen wollen. Wir haben kompetente Meister, mit uns kann man reden, wir wollen die Lehrlinge so gut wie möglich betreuen und stehen Kritik und Anregungen offen gegenüber.“ Auch mit den Lehrern der Berufsschule gehen die Lehrlingswarte bei Problemen direkt in den Kontakt. Nur nicht mit den Betrieben, das passe laut Geschke nicht von Betriebsinhaber zu Betriebsinhaber. Gibt es da Probleme, läuft es über die unabhängigen Ausbildungsbeauftragten der Handwerkskammern, mehrmals schon konnten so Schwierigkeiten ausgeräumt werden. Die helfen den Lehrlingen auch beim Finden einer Wohnung oder bei Behördengängen.

Ein lächelnder Mann sitzt an einem Schreibtisch mit Laptop, Papieren und Kalender in einem hellen Büro.
Christian Geschke sieht das Bildungszentrum als Dienstleister für die Betriebe und Azubis.

Lehrlingswart verabschiedet „seine“ Azubis mit kurzer Rede

Am Ende der Ausbildung, auf der Freisprechungsfeier begleiten die Lehrlingswarte „ihre“ Azubis auf die Bühne, wenn sie ihre Zeugnisse erhalten. „Die Lehrlingswarte suchen sich ein Stichwort, etwa Tradition oder Weiterbildung, halten dann eine kurze Rede dazu und begleiten die jungen Gesellen auf diese Weise mit ein paar Sätzen ins Leben“, beschreibt es Geschke. Ihn freut es sehr, wie engagiert die Lehrlingswarte die Betreuung der Azubis angehen und sich an gemeinsamen Planungssitzungen beteiligen. „Das passt sehr gut. Sie bringen alle Leidenschaft sowie Berufs- und Lebenserfahrung mit. Stolz sind wird zudem darauf, zwei Lehrlingswartinnen im Gremium zu haben.“

Ein Mann steht an einem Rednerpult, im Hintergrund ist eine Illustration einer historischen Figur mit erhobenem Arm und dunklem Himmel zu sehen.
Der Freiburger Lehrlingswart Roland Sick spricht zu den Azubis, rechts Janine Neureuther.

Junge Menschen für Dachdeckerhandwerk begeistern

Die aktive Einbindung der Lehrlingswarte ist ein wichtiger Baustein, um die Azubis im Betrieb oder zumindest im Dachdeckerhandwerk zu halten, möglichst auch später als Gesellen. Die jungen Leute zu begeistern und zu binden, hält Geschke für noch wichtiger, als neue über Nachwuchswerbung zu gewinnen. „Wenn die Lehrlinge zufrieden sind, machen sie selbst die beste Werbung bei ihren Bekannten und Freunden, das ist sehr nachhaltig.“

Erfolgreiche Nachwuchskampagne

Hilfreich sind da auch besondere Aktionen, wie der Azubi-Smart, den 2018 die Innung im Raum Stuttgart ins Leben rief. Heute sieben Jahre später, wo viele junge Menschen kein Auto mehr wollen und auch keinen Führerschein mehr haben, könnte das laut Geschke auch ein E-Roller sein oder ein Nahverkehrsticket. Sehr wichtig ist in Baden-Württemberg auch die innovative Nachwuchskampagne „Oben ist das neue Vorn“ mit dem Dach-Truck, in dem Jugendliche auf interaktive, spielerische Weise den Beruf kennenlernen können.

Zwei Personen stehen auf einer Bühne, halten eine gerahmte Tafel und eine rote Stoffjacke. Im Hintergrund ist ein Bildschirm mit Text.
Ehrung für die Landessiegerin Leonie Schneider (Zweite von rechts) von der Firma Schneider Bedachungen GmbH.

Starker Anstieg 2024 bei neuen Azubis

Bei den vielen Aktivitäten ist es letztlich kein Zufall, dass die Dachdecker im „Ländle“ 2024 mit 21,82 Prozent bundesweit den höchsten Anstieg bei den neuen Azubis verzeichnen konnten. Das sind gute Aussichten, die der 42-jährige Dachdeckermeister Geschke, seit 2007 Ausbilder und seit 2022 Leiter am Bildungszentrum Karlsruhe, auch persönlich bestätigen kann. „Mein Sohn macht gerade ein Praktikum als Dachdecker. Der Blick vom Dach auf die umliegenden Häuser, das begeistert ihn!“

Sie interessieren sich für Nachwuchsaktivitäten der Innungen und Verbände? Denn lesen Sie unseren Bericht über das erfolgreiche Projekt „Handwerk macht Schule“.

Knut Köstergarten

Schreibt seit über zehn Jahren für das Printmagazin „Das Dach“ und leitet dort und bei Dach live die Redaktion. Der ausgebildete Journalist hat sich in vielen Themenfeldern ausgetobt und inzwischen auf die Bereiche Politik und Dachhandwerk spezialisiert. Seine Leidenschaft sind Interviews, denn ihn interessiert die persönliche Sicht auf die Dinge – gerade auch von Unternehmern.

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