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Lächelnde Frau mit langen blonden Haaren, weißer Bluse und Ohrring vor unscharfem Hintergrund, Nasenspitze hat eine kleine weiße Creme.

Cerise Bolse: mit Leidenschaft auf dem Dach und vor der Kamera

Jasmin Najiyya

28. Juli 2026

Wer Cerise Bolse auf Instagram folgt, denkt vielleicht zuerst an Fotografie oder Modeln und entdeckt dann eine angehende Dachdeckerin, die ihre Arbeit sichtbar macht. Inzwischen verfolgen fast 40 000 Menschen ihren Alltag auf dem Dach. Auf ihren Kanälen zeigt die 22-Jährige aus Borgentreich Baustellen, Naturaufnahmen und persönliche Einblicke aus ihrem Leben. Hinter den starken Bildern steckt eine junge Frau, die Handwerk als ihre berufliche Leidenschaft gefunden hat.

Erste Berufsidee: Fotografin werden

Dieser Weg war alles andere als geplant. Aufgewachsen ist Cerise Bolse auf einem Pferdehof. Tiere, Natur und das Leben draußen prägten ihre Kindheit. Gleichzeitig entdeckte sie früh ihre Leidenschaft für die Fotografie, nicht zuletzt durch ihren Großvater, der Fotograf war. Eigentlich wollte Cerise zunächst sogar eine Ausbildung im kreativen Bereich machen. „Ich habe über Mediengestaltung, Bild und Ton oder Fotografie nachgedacht. Aber irgendwann habe ich gemerkt, dass ich das lieber als Hobby behalten möchte.“ Den ganzen Tag vor dem Computer zu sitzen, konnte sie sich langfristig nicht vorstellen. Heute profitiert Cerise Bolse von dieser Entscheidung doppelt: Als Dachdeckerin kann sie ihre Begeisterung für das Handwerk ausleben, während Fotografie und Social Media weiterhin feste Bestandteile ihres Lebens sind.

Ein Praktikum, das alles verändert

Dass sie einmal Dachdeckerin werden würde, hatte Cerise Bolse lange überhaupt nicht auf dem Schirm. „Handwerk war für mich damals gar keine Option.“ Erst ein Freund brachte sie auf die Idee, ein Praktikum in einer Dachdeckerei zu absolvieren. Was zunächst als spontaner Versuch gedacht war, entwickelte sich schnell zu einer echten Leidenschaft. „Nach dem ersten Tag dachte ich schon: Wow, das ist richtig cool.“ Die Arbeit im Freien, die körperliche Aktivität und die abwechslungsreichen Aufgaben begeisterten sie sofort. Nach wenigen Tagen stand für sie fest: Genau das möchte sie machen. Heute absolviert sie ihre Ausbildung bei Müller Bedachungen in Entrup und hat diese Entscheidung keine Sekunde bereut.

„Nach dem ersten Tag auf dem Dach dachte ich schon: Wow, das ist richtig cool.“

Faszination Denkmalschutz

Besonders faszinierend findet Cerise Bolse in ihrem Job die Arbeiten im Bereich des Denkmalschutzes. Ihr Ausbildungsbetrieb arbeitet überwiegend an historischen Gebäuden und hat sich auf die Eindeckung mit Sandstein spezialisiert. Schlösser, Burgen, Herrenhäuser und andere denkmalgeschützte Gebäude gehören zum Arbeitsalltag. Das hat auch ihre Sicht auf Architektur und Geschichte nachhaltig verändert. „Früher habe ich ein Schloss gesehen und gedacht: schönes Gebäude. Heute achte ich auf jedes Detail.“

Ein Mann installiert ein Dachfenster-Rollladen auf einem Dach; daneben Werbetext und Velux-Logo.
Werbung.

Wertschätzung für historische Gebäude

Was viele Besucher bei einem historischen Gebäude vielleicht nur als schöne Kulisse wahrnehmen, sieht Cerise Bolse als Ergebnis jahrhundertealter Handwerkskunst. „Man entwickelt eine ganz andere Wertschätzung für diese Gebäude. Wenn man weiß, wie sie entstanden sind und wie viel Arbeit darin steckt, schaut man ganz anders darauf. Man liest die Tafeln, beschäftigt sich mit der Geschichte und merkt plötzlich, was in diesen Mauern alles passiert ist.“ Genau dieses Bewusstsein macht ihre Arbeit für Cerise Bolse so besonders. Denn sie deckt nicht einfach nur Dächer, sondern hilft dabei, ein Stück Kulturgeschichte zu erhalten. „Das macht mich unglaublich stolz.“ Besonders schön sind für sie die Momente, wenn sie mit Familie oder Freunden an einem Gebäude vorbeifährt und sagen kann: „Das Dach haben wir gemacht.“

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Ein seltenes Handwerk mit besonderem Material

Die Arbeit an historischen Gebäuden stellt auch handwerklich besondere Anforderungen und erfordert Fertigkeiten im Umgang mit Sandstein, Kupfer und Blei. Gerade die Sandsteineindeckungen gehören zu den Besonderheiten ihres Ausbildungsbetriebs. „Viele fragen: Was ist das denn für ein komischer Schiefer?“ Dann erklärt Cerise Bolse gerne, dass es sich um Sandstein handelt, ein Material, das heute nur noch von wenigen Spezialisten verarbeitet wird. Auch die traditionellen Bleiarbeiten gehören zu ihren Lieblingsaufgaben. „Das mache ich besonders gerne“, sagt sie mit einem Strahlen im Gesicht.

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Warum das Handwerk auch für Frauen eine Chance ist

Wenn Cerise Bolse über Nachwuchs spricht, liegt ihr besonders am Herzen, mehr Frauen für das Handwerk zu begeistern. Denn noch immer entscheiden sich vergleichsweise wenige junge Frauen für eine Ausbildung auf dem Dach. „Frauen können das genauso gut wie Männer. Entscheidend sind nicht Kraft oder Geschlecht, sondern Interesse, Motivation und die Bereitschaft, Neues zu lernen.“ Natürlich hatte auch sie vor Beginn ihrer Ausbildung Zweifel. „Meine größte Sorge war tatsächlich die körperliche Arbeit.“

„Frauen können das genauso gut wie Männer. Entscheidend sind nicht Kraft oder Geschlecht, sondern Interesse, Motivation und die Bereitschaft, Neues zu lernen.“

Jeder hat seine Stärken

Heute kann Cerise Bolse darüber schmunzeln. „Natürlich habe ich nicht die Kraft manch männlicher Kollegen. Aber jeder hat seine Stärken.“ Schwere Lasten werden längst durch Kräne und moderne Technik unterstützt. Gleichzeitig habe sie während der Ausbildung selbst deutlich an Kraft gewonnen. Ihr wichtigster Rat an junge Frauen lautet deshalb: „Einfach ausprobieren!“ Viele hätten das Handwerk gar nicht als berufliche Möglichkeit auf dem Schirm. „Ich bekomme oft Nachrichten von Mädchen, die durch meine Videos ein Praktikum gemacht haben. Das freut mich jedes Mal unglaublich.“

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Handwerk sichtbar machen

Parallel zur Ausbildung hat sich Cerise in den vergangenen Jahren eine beachtliche Reichweite auf Social Media aufgebaut. Das war ursprünglich gar nicht geplant. „Eigentlich habe ich gesagt, dass ich niemals Handwerks-Content machen werde.“ Doch als sie erste Einblicke in ihren Berufsalltag teilte, waren die Reaktionen äußerst positiv. Viele wollten mehr über ihren Weg ins Handwerk und die Arbeit auf historischen Baustellen erfahren. Heute nutzt sie ihre Reichweite vor allem, um die positiven Seiten des Handwerks sichtbar zu machen. „Ich möchte zeigen, wie viel Spaß das Handwerk machen kann.“ Besonders wichtig ist ihr dabei eine positive Grundhaltung. „Mein Account soll ein Ort sein, an dem gute Stimmung herrscht.“

Dachdeckerin mit vielen Facetten

Wer Cerise nur über ihre Arbeit kennt, sieht allerdings nur einen Teil ihrer Persönlichkeit. In ihrer Freizeit reitet sie, spielt Tennis, betreut die Social-Media-Kanäle einer weiteren Dachdeckerei und bereitet sich aktuell auf ihren Jagdschein vor. Natur und Tiere begleiten sie schon ihr ganzes Leben. „Das gehört einfach zu mir“, sagt sie. Künftig möchte sie deshalb auch diese Leidenschaft stärker in den Mittelpunkt ihrer Social Media-Präsenz rücken. Trotz ihres vollen Terminkalenders nimmt sie sich bewusst Zeit für Freunde und Familie. „Ich bin ein sehr sozialer Mensch und brauche den Austausch mit anderen.“

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Schritt für Schritt in die Zukunft

Aktuell konzentriert sich Cerise Bolse auf die kommenden Herausforderungen. Die Zwischenprüfung steht an, der Jagdschein wartet und die Gesellenprüfung rückt näher. Danach möchte sie zunächst weitere Berufserfahrung sammeln. Ob später der Dachdeckermeister folgen wird, lässt sie bewusst offen. „Erst einmal möchte ich die Ausbildung erfolgreich abschließen. Danach schaue ich weiter.“ Bis dahin wird man Cerise Bolse vermutlich weiterhin dort antreffen, wo sie sich am wohlsten fühlt: Draußen auf dem Dach eines historischen Gebäudes mit Blick über die Landschaft und der Gewissheit, an etwas mitzuarbeiten, das weit über den Moment hinaus Bestand hat.

Jasmin Najiyya

Jasmin Najiyya absolvierte ihre Ausbildung an der Freien Journalistenschule Berlin. Seit 2014 arbeitet sie als freiberufliche Redakteurin mit den Schwerpunkten Blogging, Content-Erstellung sowie Umsetzung von Marketing- und Kommunikationsprojekten für Unternehmen und ist bereits längere Zeit im Bereich Dachhandwerk tätig.

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